Heute haben wir die Wildkameras in den Bunkern installiert. Über den Winter hoffen wir so Hinweise zu den überwinternden Fledermäusen zu bekommen.

Insgesamt 5 Bunker wurden von uns umgebaut. Hier der Eingang unseres ältesten Bunkers:

Einer der Eingänge unserer neueren Bunker:

In diesem Sommer gab es wieder einen versuchten Einbruchsversuch. Außer Steinen gibt es in den Bunkern nichts verwertbares. Das Schloss unten wurde versucht aufzuschlagen. Funktioniert hatte das nicht, aber das Schloss ist defekt und lässt sich kaum öffnen und muss ausgetauscht werden.

Das Wissen zum Überwinterungsverhalten unserer Fledermäuse ist gering. Fledermäuse verschlafen etwa die Hälfte des Jahres von Anfang November bis Ende März. Der Mangel an Insekten und Spinnen zwingt sie dazu.
Während des Winterschlafes laufen sämtliche Lebensfunktionen auf Sparflamme. Der Herzschlag und die Atemfrequenz sind stark verlangsamt. Der Stoffwechsel kommt fast zum erliegen. So verbrauchen Fledermäuse nur sehr wenig Energie und können von ihren Fettreserven leben. Es ist allerdings keine echte Schlafphase. Sie registrieren alles was in ihrer Umgebung passiert. Auch wenn sie nicht gleich reagieren wachen sie bei Störungen auf. Dabei verbrauchen sie viel Energie. Reicht der Fettvorrat für solche auserplanmäßigen Aufwachphasen nicht aus, sterben sie. Auch lange und harte Winter können zu Ausfällen führen.
Auch ohne Störungen wachen Fledermäuse ungefähr alle drei Wochen auf. Sie geben dann das bei der Fettverbrennung im Körper anfallende Wasser als Urin ab. Jedes „Aufwachen“ kostet Energie. Oft kann man auch im Winter aktive Fledermäuse z.B. auf Horchboxewn registrieren. Aber auch wenn wegen einer Warmphase Insekten fliegen, scheinen sie nicht zu fressen?
Zu den Überwinterungsquartieren der einzelnen Fledermausarten in Hessen findet man folgende Hinweise:
Nyctalus:
- Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri): Winterquartiere in Baumhöhlen, aber auch an Gebäuden sowie in Felsspalten
- Abendsegler (Nyctalus noctula): Winterquartiere in Baumhöhlen sowie in Fels- oder Mauerspalten
Vespertilio
- Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus): Winterquartiere oberirdisch in Fels- und Mauerspalten
Pipistrellus
- Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus): Winterquartiere oberirdisch in und an Gebäuden
- Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus): Winterquartiere oberirdisch in Gebäuden und Baumhöhlen
- Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii): Bewohnt im Sommer wie im Winter eine Vielzahl an Quartieren an Bauten und Bäumen: Fassadenspalten, Zwischendächer, Rollladenkästen, Dehnungsfugen, Baumhöhlen, Fledermauskästen, Felsspalten und sogar Brennholzstapel.
- Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii): Auch im Winter oft an und in Gebäuden. Überwintert aber wohl auch in Felsspalten.
Barbastella
- Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus): Winterquartiere hinter Baumrinde sowie in Spalten von ober- und unterirdischen Bauwerken, in unterirdischen Winterquartieren befinden sich die Hangplätze im kalten Eingangsbereich
Plecotus
- Braunes Langohr (Plecotus auritus): Winterquartiere befinden sich in Kellern und Bunkern, sowie in Stollen und Höhlen.
- Graues Langohr (Plecotus austriacus): Winterquartiere in Gebäude, Kellern, Höhlen, Stollen oder Felsspalten.
Eptesicus
- Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus): Überwinternde Tiere wurden in Kellern, Stollen, Höhlen und Geröllansammlungen gefunden. Auch oberirdische Spaltenquartiere in Gebäuden oder überwintern in den Sommerquartieren.
- Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii): Winterquartiere in unterirdischen Bauwerken, vermutlich jedoch überwiegend oberirdisch in Gebäuden, Felsspalten und Blockhalden.
Myotis
- Mausohr (Myotis myotis): Winterquartiere vor allem in ehemaligen Bergwerken und Stollen, daneben in unter- und oberirdischen Mauerspalten
- Fransenfledermaus (Myotis nattereri): Winterquartiere vor allem in ehemaligen Bergwerken und Stollen, daneben Kellergewölbe, Steinbrücken und Bunker
- Wasserfledermaus (Myotis daubentonii): Winterquartiere sind frostfrei und weisen eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit auf, dazu gehören vor allem in ehemalige Bergwerken und Stollen, daneben Kellergewölbe und Bunker
- Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini): Winterquartiere meist in spaltenreichen ehemaligen Bergwerken und Stollen
- Große Bartfledermaus (Myotis brandtii): Winterquartiere vor allem in ehemaligen Bergwerken und Stolle
- Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus): Winterquartiere in ehemaligen Bergwerken und Stollen
- Wimpernfledermaus (Myotis emarginatus): Winterschlaf in grösseren Höhlen – freihängend oder zurückgezogen in engen Spalten
- Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe): Im Sommerhalbjahr ausschliesslich in Baumhöhlen unterschiedlichster Art in grösserer Höhe (meist mehr als 10 m über Boden). Winterquartiere zudem in Felsspalten, Höhlen und Stollen.
- Teichfledermaus (Myotis dasycneme): Winterquartiere in ehemaligen Bergwerken und Stollen, Kellergewölben und Bunkern
Rhinolophus
- Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros): Winterquartiere unterirdisch in Höhlen, Stollen und ehemaligen Bergwerken
Bisher haben wir nur Braune Langohren in den Bunkern gefunden. Einen Hinweis zu der Besiedelung anderer Winterquartiere findet man bei G. und W. Schulz „Erfahrungen bei Neueinrichtungen und Ausbauten von Fledermaus-Winterquartieren (2011)“ im Kreise Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg.
Die Besiedelungen durch einzelne Arten kann mitunter ein längerer Prozeß sein!
Für einzelne Maßnahmen wurde die Reihenfolge der Besiedelungen für einzelne Objekte von Fledermäusen zur Überwinterung angegeben:
Artenspektrum:
- ab 1990/1991 Braune Langohren
- ab 2000/2001 Fransenfledermäuse
- ab 2004/2005 Wasserfledermäuse
Fransenfledermäuse nach 10 Jahren nach den Braunen Langohren. Nochmal 3 Jahre bis sich Wasserfledermäuse einstellten.
Artenspektrum:
- ab 1993/1994 Braune Langohren und Fransenfledermäuse
- ab 2000/2001 Wasserfledermäuse
- ab 2003/2004 Breitflügelfledermäuse
- ab 2006/2007 Zwergfledermaus
Braune Langohren und Fransenfledermäuse offenbar zeitgleich. Dann 6 Jahre bis zur Wasserfledermaus. Nochmal 2 Jahre bis zu Breitflügel und weitere 3 Jahre bis zu den ersten Zwergen.
Artenspektrum:
- ab 1994/1995 Braune Langohren und Fransenfledermäuse
- ab 2003/2004 Wasserfledermäuse
- ab 2006/2007 Breitflügelfledermaus
- ab 2009/2010 Mopsfledermaus
Auch hier Braune Langohren und Fransen zeitgleich. Weitere 8 Jahre bis zur Wasserfledermaus, nach weiteren 2 Jahren die Mopsfledermaus.
Artenspektrum:
- ab 1996/1997 Braune Langohren
- ab 1998/1999 Fransenfledermäuse
- ab 2005/2006 Wasserfledermäuse
Hier waren die Fransenfledermäuse 1 Jahr nach den Braunen Langohren, Dann aber auch 7 Jahre bis zur Wasserfledermaus.