Braunes Langohr ( Plecotus auritus )

Bild: © D. Nill

Vorkommen Braunes Langohr im Bereich Seligenstadt und Mainhausen

 

Kastenkontrollen 1985 bis 2016 – Vorkommen Braunes Langohr

Im Bereich Hainburg/Seligenstadt/Mainhausen bei Kastenkontrollen nachgewiesene Braune Langohren 1985 bis 2018

Nachweise des Braunen Lagohrs in Hainburg
Nachweise des Braunen Lagohrs in Seligenstadt
Nachweise des Braunen Lagohrs in Klein Welzheim
Nachweise des Braunen Lagohrs in Mainhausen

Einzelnachweise im Ostkreis Offenbach

Nachweise Braunes Langohr
Probefläche Datum Anzahl Longitude Latitude
HST032 03.10.2018 1 8,95278358 50,0680161
HST031 03.10.2018 1 8,93916512 50,0623283
HST020 20.09.2018 3 8,90781307 50,0645676
FLM81 12.09.2018 6 8,99320984 50,0293808
FLM05 06.09.2018 1 8,9416399 50,0087624
FLM05 06.09.2018 1 8,9416399 50,0087624
HST019 17.05.2018 9 8,91731644 50,0606308
HST012 07.05.2018 2 8,90475655 50,0620003
HST035 03.05.2018 15 8,91740799 50,0675888
HST001_1 23.04.2018 8 8,90629959 50,0711517
FLM51 20.04.2018 9 9,01005077 50,0056152
HST024 23.10.2017 6 8,92236519 50,0595016
FLM56 26.09.2017 8 9,03236103 50,0018044
FLM67 26.09.2017 15 9,00372314 50,0051956
SF01 24.05.2017 1 8,978433 50,005017
SF01 24.05.2017 16 8,978433 50,005017
FLM15 19.05.2017 15 8,9266243 50,0280457
HST002 13.04.2017 6 8,90968513 50,0707169
HST001 31.03.2017 8 8,90727997 50,0748901
FLM05 06.10.2016 1 8,9416399 50,0087624
SF01 03.10.2016 11 8,978433 50,005017
FLM67 02.10.2016 2 9,00372314 50,0051956
HST004 10.09.2016 1 8,91912174 50,0788765
FLM56 18.06.2015 15 9,03236103 50,0018044
FLM26 02.06.2015 5 8,96459198 50,0079765
FLM82 02.06.2015 1 8,99062157 50,0304947
SF01 28.05.2015 9 8,978433 50,005017
FLM51 15.11.2014 1 9,01005077 50,0056152
FLM72 17.10.2014 1 8,92934513 50,0293388
SF01 04.10.2014 7 8,978433 50,005017
SF01 04.10.2014 7 8,978433 50,005017
FLM02 19.09.2014 10 8,92107677 50,0319595
FLM10 03.05.2014 7 8,92826176 50,0258446
SF01 03.05.2014 9 8,978433 50,005017
FLM18 12.09.2011 2 8,9266243 50,0280457
FLM26 03.09.2011 10 9,01755047 50,0072174
FLM02 07.08.2010 1 8,92934513 50,0293388
FLM26 24.10.2009 1 8,92934513 50,0293388
FLM26 12.09.2009 5 8,93438435 50,0315628
FLM10 21.09.2008 1 8,923316 50,0424042
FLM20 29.08.1999 1 9,01755047 50,0072174
FLM20 30.08.1998 1 9,01755047 50,0072174
FLM70 29.08.1993 1 8,92518425 50,0291634
FLM71 25.08.1991 3 9,01755047 50,0072174
FLM20 04.09.1988 1 9,00358009 50,0242462
FLM72 06.09.1987 2 8,9417963 50,0205307
FLM72 06.09.1987 1 8,93438435 50,0315628

 

Aussehen und Größe

Das Braune Langohr ist eine mittelgroße braungefärbte Fledermaus, die 6 bis 9 g schwer ist. Sie hat sehr lange, zarte Ohren, die im Winterschlaf und in Tageslethargie nach hinten unter die Flügel gelegt wird. Ihre Spannweite variiert von 24 bis 28,5 cm. Der Ohrdeckel (Tragus) ist gerade und lanzettförmige. Beim Zurücklegen  der Ohren bleibt er in seiner normalen Position und steht bei zusammengefalteten Ohren nach vorne. Sie haben auffallend große Augen. Der Daumen, die Daumenkralle und die Hinterfüße sind groß, die Zehen sind stark borstenartig behaart. Die breiten Flügel sind kurz und rund. Nachgewiesene wurde ein Höchstalter eines Weibchens von über 30 Jahren. Im Durchschnitt werden sie ca. 4 Jahren alt. Sie wandern kaum über 30 km und sind sehr ortsgebunden.

Verbreitung und Lebensraum

Das Braune Langohr ist eine typische Waldfledermaus, die man aber auch an Einzelbäumen in Parks und Gärten vorfinden kann. Bei den Waldarten ist sie wenig wählerisch, es werden Nadelmischwälder, Fichtenforste bis hin zu Buchenbeständen bewohnt. Seltener findet man sie in den Kiefernforsten des Tieflandes, kommt aber in der Sendefunkanlage Zellhausen vor. Im Sommer werden sowohl Baum-, als auch Gebäudequartiere bewohnt. Im Winter findet man sie in einer Vielzahl von unterirdischen Quartieren, von Höhlen bis zu Felsspalten, aber auch in Baumhöhlen. Als Baumquartiere werden abstehende Rinden bis Fäulnis- und Spechthöhlen besiedelt. Geht auch gerne in Nist- und Fledermauskästen. In Dachräumen findet man sie meist zwischen Ziegeln, Lattung und Gebälk, in Zapfenlöchern und hinter Verkleidungen. In der Übergangszeit im Frühjahr und Herbst ist sie in allen nur denkbaren Quartieren von Orgelpfeifen bis Toilettenpapierhalterungen und Radkästen abgestellter Autos zu finden. Einzelfunde in Geröll, Blockhalden, Holzstapeln und Dachsbau deuten auf alternative Überwinterungsplätze hin. In Mitteleuropa ist das Braune Langohr in Kleinquartieren wie Erdkellern, Kleinhöhlen und Brunnenschächten die  häufigste gefundene Art.

Lokale Vorkommen

Kommt im gesamten Stadtwald flächendeckend vor. Es sind 3 bis 4 Wochenstuben bekannt.

Fortpflanzung

Die Wochenstuben sind von April bis September belegt, sie umfassen in der Regel 5 bis 50 Weibchen. In den drei letzten Juni Wochen liegt die Geburt der Jungen. Sie werden 40 bis 50 Tage lang gesäugt. Meist wird nur ein Junges geboren, bei älteren Weibchen kommen auch Zwillingsgeburten vor. Gebäudewochenstuben sind oft über das ganze Sommerhalbjahr stabil, Baum- und Kastenquartiere werden regelmäßig alle 1 bis 5 Tage in einem Umkreis von wenigen hundert Metern gewechselt. Die Männchen leben den Sommer über einzeln. Die Mitglieder einer Wochenstube sind eng miteinander verwandte Weibchen, die ein kleines Gebiet von etwa 1 km2 über Jahrzehnte bewohnen können. Die jungen Weibchen bleiben ihrer Geburtswochenstube treu und pflanzen sich hier fort, zumindest ein Teil der jungen Männchen verlässt das Gebiet der Kolonie.

Ernährung und Jagd

Die meisten Beutetiere sind Nachtfalter, es werden aber auch Zweiflüglern, Heuschrecken, Wanzen, Spinnen, Weberknechte, Ohrwürmer und Raupen erbeutet. Bei den Nachtfaltern werden mittelgroße Eulenfalter und Hopfenspinner bevorzugt, wohingegen Bärenspinner und Spanner gemieden werden. Da beim Braunen Langohr die Flüssigkeitsverluste über die Flughäute und Ohren sehr hoch sind, nehmen sie pro Tag 2 bis 5 g Wasser auf. Dies wird meist wird im Flug direkt von Wasseroberflächen getrunken. Braune Langohren fliegen meist erst bei vollständiger Dunkelheit aus. Es werden fliegende Insekten in der Luft erbeutet oder Insekten von der Vegetation abgesammelt. Sie finden die Beute im langsamen gaukelnden Suchflug nahe an der Vegetation anhand der Raschelgeräusche oder mit den Augen, um sie dann im Rüttelflug abzulesen. Hierbei finden sie ihre Beute vom Boden bis in die Baumspitzen hoher Bäume. Größere Beute wird an Fraßplätzen gefressen. Die Jagd erfolgt kleinräumig (meist kleiner als 1 ha), oft werden nur einzelne Baumgruppen bejagt.

Gefährdungen

  • durch Quartierverluste und Quartierbeeinträchtigungen:
    • In Siedlungen:
      • Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden (insbesondere Kirchen)
      • Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (häufig z.B. an historischen Gebäuden) und durch Lichtanlagen in Winterquartieren
      • Vergiftung der Tiere durch Holzschutzmittelbehandlungen in Dachstühlen
      • Verschluss von Quartieren
      • direkte Verfolgung, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
    • Im Wald:
      • fällen von Höhlenbäumen
      • Entnahme von stehendem Alt- und Totholz oder forstlich betrachtet „minderwertigen“ Bäumen (z.B. Höhlenbäume, Bäume mit Schadstellen jeglicher Art)
  • Nahrung
    • Vergiftungen durch die Landwirtschaft
    • Entfernung von Hecken, Säumen usw. in Kulturlandschaften
    • Anreicherung von Giftstoffen im Körper der Tiere durch den Einsatz von Insektiziden in Wäldern zur Bekämpfung von Forstschädlingen
  • Jagdgebiet
    • Verlust von extensiven Streuobstwiesen (mit hochstämmigen Bäumen, maximal 2-schüriger Mahd, Verzicht auf Insektizide, Herbizide und Dünger)
    • Isolation von Kolonien durch die Entfernung verbindender Landschaftselemente zwischen Waldgebieten (Burland et al. 1999)
    • Entfernung natürlicher oder naturnaher Waldränder
    • Siedlungserweiterungen, da z.B. alte Hausgärten, dörfliche Obstgärten und Streuobstwiesen durch die Umnutzung in Neubaugebiete verloren gehen
    • Verlust von Park- und Alleebäumen, Hecken, Feldgehölzen und Säumen durch Pflegemaßnahmen oder Verkehrssicherung (Häussler & Braun 2003), die als Jagdgebiete und zur Orientierung z.B. bei Flügen in die Jagdgebiete dienen
  • Winterquartiere
    • häufige Störungen in den Winterquartieren (Stollen, aufgelassene Bergwerken, Keller) durch Höhlentourismus/Vandalismus
    • Umnutzung, Einsturz oder Verfüllung von ehemaligen Luftschutzbunkern, Kellern, Stollen, etc., die als Winter- und Übergangsquartiere dienen können
    •  
  • sonstige
    • durch die relativ niedrige Flughöhe besteht Kollisionsgefahr an Verkehrswegen

 

Weiterführende Infos:

Hessen Forst Artgutachten 2011

Hessen Forst Artgutachten 2003

Hessen Forst Artensteckbrief 2006