Streuobstwiese in der Kriese?

Das Farmer-Science-Projekt StreuWiKlim wurde von Oktober 2022 bis März 2026 in Kooperation der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Technischen Universität München durchgeführt.

Mit Streuobstwiesenbewirtschaftenden hat man versucht mehr Wissen über das Agrarökosystem Streuobstwiese im Klimawandel zu schaffen und regionsspezifische Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln. Befragt wurden über 100 Streuobstwiesenbewirtschaftende in ganz Deutschland.

Zentrale Fragenstellung des Projektes waren:

  1. Wie wirkt sich der Klimawandel auf Streuobstwiesen aus?
  2. Wie wirken sich biologische Vielfalt, Strukturreichtum, Standortwahl, Sortenwahl und Bewirtschaftungspraktiken auf die Widerstandsfähigkeit von Streuobstwiesen gegenüber veränderten Klimabedingungen aus?
  3. Welche Anpassungsmaßnahmen sind zu empfehlen und sollten erprobt werden?

Im März 2026 wurden die Ergebnisse oräsentiert:

Streuobstwiesen im Klimawandel – Ein Projekt mit
Streuobstwiesenbewirtschaftenden
(Veröffentlichung 25.03.2026)

Kernaussagen der Studie:

„Die Beachtung der kleinräumigen Standortfaktoren wird wichtiger. Neben den Standortparameter (Höhenlage, Geländeneigung, Boden etc.) als Einflussfaktor auf die Betroffenheit der Streuobstwiesen gegenüber dem Klimawandel zeigen die Untersuchungen im Forschungsprojekt, dass die Struktur des Streuobstbestands, zusätzliche Habitatstrukturen und eine hohe Obstarten- und Sortenvielfalt einen wesentlichen Einfluss auf die Resilienz von Streuobstbeständen im Zuge des Klimawandels haben.

„Diese Vielfalt sollte sich ebenso auf die verwendeten Unterlagen beziehen. Vielfalt erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest einige dieser Arten/Sorten/Unterlagen unterschiedlich auf äußere Änderungen der Umweltbedingungen reagieren können.“

Besonders hilfreich finde ich das nachfolgend wiedergegebene Handlungsschema, wie auf die einzelnen Probleme reagiert werden kann:

Beobachtete Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel und potenzielle Stellschrauben für Anpassungsmaßnahmen

Vieles was in der Studie als zielführend genannt wurde, haben wir umgesetzt; z. B.: Sortenvielfalt, Stammschutz vor Sonneneinstrahlung, kontinuierliche Bewässerung und Pflanzung von Hecken. Wogegen wir kein Mittel finden ist Vandalismus und Obstdiebstahl.

Neue Überwinterungssaison in unseren Fledermausbunkern in Mainhausen

Heute haben wir die Wildkameras in den Bunkern installiert. Über den Winter hoffen wir so Hinweise zu den überwinternden Fledermäusen zu bekommen.

Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) im Bunkereingang

Insgesamt 5 Bunker wurden von uns umgebaut. Hier der Eingang unseres ältesten Bunkers:

Erweiterter Eingang, im Alter notwendig!

Einer der Eingänge unserer neueren Bunker:

Einer der vier neuen Fledermausbunker

In diesem Sommer gab es wieder einen versuchten Einbruchsversuch. Außer Steinen gibt es in den Bunkern nichts verwertbares. Das Schloss unten wurde versucht aufzuschlagen. Funktioniert hatte das nicht, aber das Schloss ist defekt und lässt sich kaum öffnen und muss ausgetauscht werden.

Das Wissen zum Überwinterungsverhalten unserer Fledermäuse ist gering. Fledermäuse verschlafen etwa die Hälfte des Jahres von Anfang November bis Ende März. Der Mangel an Insekten und Spinnen zwingt sie dazu.

Während des Winterschlafes laufen sämtliche Lebensfunktionen auf Sparflamme. Der Herzschlag und die Atemfrequenz sind stark verlangsamt. Der Stoffwechsel kommt fast zum erliegen. So verbrauchen Fledermäuse nur sehr wenig Energie und können von ihren Fettreserven leben. Es ist allerdings keine echte Schlafphase. Sie registrieren alles was in ihrer Umgebung passiert. Auch wenn sie nicht gleich reagieren wachen sie bei Störungen auf. Dabei verbrauchen sie viel Energie. Reicht der Fettvorrat für solche auserplanmäßigen Aufwachphasen nicht aus, sterben sie. Auch lange und harte Winter können zu Ausfällen führen.

Auch ohne Störungen wachen Fledermäuse ungefähr alle drei Wochen auf. Sie geben dann das bei der Fettverbrennung im Körper anfallende Wasser als Urin ab. Jedes „Aufwachen“ kostet Energie. Oft kann man auch im Winter aktive Fledermäuse z.B. auf Horchboxewn registrieren. Aber auch wenn wegen einer Warmphase Insekten fliegen, scheinen sie nicht zu fressen?

Zu den Überwinterungsquartieren der einzelnen Fledermausarten in Hessen findet man folgende Hinweise:

Nyctalus:

  • Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri): Winterquartiere in Baumhöhlen, aber auch an Gebäuden sowie in Felsspalten
  • Abendsegler (Nyctalus noctula): Winterquartiere in Baumhöhlen sowie in Fels- oder Mauerspalten

Vespertilio

  • Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus): Winterquartiere oberirdisch in Fels- und Mauerspalten

Pipistrellus

  • Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus): Winterquartiere oberirdisch in und an Gebäuden
  • Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus): Winterquartiere oberirdisch in Gebäuden und Baumhöhlen
  • Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii): Bewohnt im Sommer wie im Winter eine Vielzahl an Quartieren an Bauten und Bäumen: Fassadenspalten, Zwischendächer, Rollladenkästen, Dehnungsfugen, Baumhöhlen, Fledermauskästen, Felsspalten und sogar Brennholzstapel.
  • Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii): Auch im Winter oft an und in Gebäuden. Überwintert aber wohl auch in Felsspalten.

Barbastella

  • Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus): Winterquartiere hinter Baumrinde sowie in Spalten von ober- und unterirdischen Bauwerken, in unterirdischen Winterquartieren befinden sich die Hangplätze im kalten Eingangsbereich

Plecotus

  • Braunes Langohr (Plecotus auritus): Winterquartiere befinden sich in Kellern und Bunkern, sowie in Stollen und Höhlen.
  • Graues Langohr (Plecotus austriacus): Winterquartiere in Gebäude, Kellern, Höhlen, Stollen oder Felsspalten.

Eptesicus

  • Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus): Überwinternde Tiere wurden in Kellern, Stollen, Höhlen und Geröllansammlungen gefunden. Auch oberirdische Spaltenquartiere in Gebäuden oder überwintern in den Sommerquartieren.
  • Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii): Winterquartiere in unterirdischen Bauwerken, vermutlich jedoch überwiegend oberirdisch in Gebäuden, Felsspalten und Blockhalden.


Myotis

  • Mausohr (Myotis myotis): Winterquartiere vor allem in ehemaligen Bergwerken und Stollen, daneben in unter- und oberirdischen Mauerspalten
  • Fransenfledermaus (Myotis nattereri): Winterquartiere vor allem in ehemaligen Bergwerken und Stollen, daneben Kellergewölbe, Steinbrücken und Bunker
  • Wasserfledermaus (Myotis daubentonii): Winterquartiere sind frostfrei und weisen eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit auf, dazu gehören vor allem in ehemalige Bergwerken und Stollen, daneben Kellergewölbe und Bunker
  • Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini): Winterquartiere meist in spaltenreichen ehemaligen Bergwerken und Stollen
  • Große Bartfledermaus (Myotis brandtii): Winterquartiere vor allem in ehemaligen Bergwerken und Stolle
  • Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus): Winterquartiere in ehemaligen Bergwerken und Stollen
  • Wimpernfledermaus (Myotis emarginatus): Winterschlaf in grösseren Höhlen – freihängend oder zurückgezogen in engen Spalten
  • Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe): Im Sommerhalbjahr ausschliesslich in Baumhöhlen unterschiedlichster Art in grösserer Höhe (meist mehr als 10 m über Boden). Winterquartiere zudem in Felsspalten, Höhlen und Stollen.
  • Teichfledermaus (Myotis dasycneme): Winterquartiere in ehemaligen Bergwerken und Stollen, Kellergewölben und Bunkern

Rhinolophus

  • Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros): Winterquartiere unterirdisch in Höhlen, Stollen und ehemaligen Bergwerken

Bisher haben wir nur Braune Langohren in den Bunkern gefunden. Einen Hinweis zu der Besiedelung anderer Winterquartiere findet man bei G. und W. Schulz „Erfahrungen bei Neueinrichtungen und Ausbauten von Fledermaus-Winterquartieren (2011)“ im Kreise Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg.

Die Besiedelungen durch einzelne Arten kann mitunter ein längerer Prozeß sein!

Für einzelne Maßnahmen wurde die Reihenfolge der Besiedelungen für einzelne Objekte von Fledermäusen zur Überwinterung angegeben:

Artenspektrum:

  • ab 1990/1991 Braune Langohren
  • ab 2000/2001 Fransenfledermäuse
  • ab 2004/2005 Wasserfledermäuse

Fransenfledermäuse nach 10 Jahren nach den Braunen Langohren. Nochmal 3 Jahre bis sich Wasserfledermäuse einstellten.

Artenspektrum:

  • ab 1993/1994 Braune Langohren und Fransenfledermäuse
  • ab 2000/2001 Wasserfledermäuse
  • ab 2003/2004 Breitflügelfledermäuse
  • ab 2006/2007 Zwergfledermaus

Braune Langohren und Fransenfledermäuse offenbar zeitgleich. Dann 6 Jahre bis zur Wasserfledermaus. Nochmal 2 Jahre bis zu Breitflügel und weitere 3 Jahre bis zu den ersten Zwergen.

Artenspektrum:

  • ab 1994/1995 Braune Langohren und Fransenfledermäuse
  • ab 2003/2004 Wasserfledermäuse
  • ab 2006/2007 Breitflügelfledermaus
  • ab 2009/2010 Mopsfledermaus

Auch hier Braune Langohren und Fransen zeitgleich. Weitere 8 Jahre bis zur Wasserfledermaus, nach weiteren 2 Jahren die Mopsfledermaus.

Artenspektrum:

  • ab 1996/1997 Braune Langohren
  • ab 1998/1999 Fransenfledermäuse
  • ab 2005/2006 Wasserfledermäuse

Hier waren die Fransenfledermäuse 1 Jahr nach den Braunen Langohren, Dann aber auch 7 Jahre bis zur Wasserfledermaus.

Ein Neuankömmling auf der Streuobstwiese im Giern

Wir hatten kürzlich schon über den Neuzugang der Östlichen Zwergwollbiene (Pseudoanthidium nanum) in einer der beiden Nisthilfen auf unserer Streuobstwiese berichtet. Diese Wildbienenart wird in der Roten Liste in Deutschland als gefährdet eingestuft und ist in mehreren Bundesländern nicht mehr zu finden.

Neben den Wildbienen bieten die Nisthilfen auch Brutmöglichkeiten für solitär lebende Wespen.

Der Neuzugang

Nun hat sich in diesem Jahr (2026) noch ein besonders auffälliger Neuankömmling in den beiden Nisthilfen im Giern eingefunden: Der Stahlblaue Grillenjäger (Isodontia mexicana) aus der Gruppe der Grabwespen. Wir haben diese Art bereits in den letzten beiden Jahren in der Nisthilfe der Walinus Schule nachgewiesen.

Anflug von Isodontia mexicana zur Nisthilfe

Wie der wissenschaftliche Name verrät, stammt die Art ursprünglich aus Nord- und Mittelamerika. Sie trat in den 1960er Jahren erstmals in Südfrankreich auf und breitete sich weiter in Mittel- und Westeuropa aus. Mittlerweile ist sie auch in Deutschland weit verbreitet und kann an Nisthilfen immer häufiger beobachtet werden.

Isodontia mexicana an der Nisthilfe

Im Unterschied zu den Wildbienen, die Pollen und Nektar als Vorrat für ihre Nachkommen sammeln, versorgen die Wespen ihren Nachwuchs je nach Art mit Spinnen, Käferlarven, Schmetterlingsraupen oder Blattläusen. Somit nehmen Wespen auch eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht ein.

Die Stahlblaue Grillenjägerin (Isodontia mexicana) legt für ihre Brut einen Vorrat von vier bis fünf gelähmten Heuschrecken oder Grillen pro Zelle an. In Europa sind ihre Beutetiere vor allem Weinhähnchen (Oecanthus pellucens) und die Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale). Sie dienen den Larven als Nahrung.

Brutzellen mit Weinhähnchen (beige) und Südlicher Eichenschrecke (grün)

Die Nester bestehen aus vertrockneten Grasblättern, die oft noch aus den Niströhren ragen. Das Nest wird mit einer dicht gepackten Schicht aus Grasblättern verschlossen.

In den Nisthilfen im Giern sind verschiedene Entwicklungsstadien erkennbar.

Brutzellen mit verschiedenen Entwicklungsstadien (Ei, oben und Larven, unten)

Brutzelle mit Kokon

Die Entwicklung der Larven verläuft sehr schnell innerhalb weniger Tage. Anschließend spinnen sich die Larven in einem weißen Kokon ein, in welchem sie überwintern.

Die erwachsenen Tiere fliegen im Spätsommer von Juli bis September und ernähren sich vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen.

Trotz ihrer raschen Ausbreitung gibt es bisher keine Hinweise, dass diese Art negative Auswirkungen auf die heimischen Ökosysteme hat.