Wir hatten kürzich schon über den Neuzugang der Östlichen Zwergwollbiene (Pseudoanthidium nanum) in einer der beiden Nisthilfen auf unserer Streuobstwiese berichtet. Diese Wildbienenart wird in der Roten Liste in Deutschland als gefährdet eingestuft und ist in mehreren Bundesländern nicht mehr zu finden.
Neben den Wildbienen bieten die Nisthilfen auch Brutmöglichkeiten für solitär lebende Wespen.
Der Neuzugang
Nun hat sich in diesem Jahr (2026) noch ein besonders auffälliger Neuankömmling in den beiden Nisthilfen im Giern eingefunden: Der Stahlblaue Grillenjäger (Isodontia mexicana) aus der Gruppe der Grabwespen. Wir haben diese Art bereits in den letzten beiden Jahren in der Nisthilfe der Walinus Schule nachgewiesen.

Anflug von Isodontia mexicana zur Nisthilfe
Wie der wissenschaftliche Name verrät, stammt die Art ursprünglich aus Nord- und Mittelamerika. Sie trat in den 1960er Jahren erstmals in Südfrankreich auf und breitete sich weiter in Mittel- und Westeuropa aus. Mittlerweile ist sie auch in Deutschland weit verbreitet und kann an Nisthilfen immer häufiger beobachtet werden.

Isodontia mexicana an der Nisthilfe
Im Unterschied zu den Wildbienen, die Pollen und Nektar als Vorrat für ihre Nachkommen sammeln, versorgen die Wespen ihren Nachwuchs je nach Art mit Spinnen, Käferlarven, Schmetterlingsraupen oder Blattläusen. Somit nehmen Wespen und nehmen daher auch eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht ein.
Die Stahlblaue Grillenjägerin (Isodontia mexicana) legt für ihre Brut einen Vorrat von vier bis fünf gelähmten Heuschrecken oder Grillen pro Zelle an. In Europa sind ihre Beutetiere vor allem Weinhähnchen (Oecanthus pellucens) und die Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale). Sie dienen den Larven als Nahrung.

Brutzellen mit Weinhähnchen (beige) und Südlicher Eichenschrecke (grün)
Die Nester bestehen aus vertrockneten Grasblättern, die oft noch aus den Niströhren ragen. Das Nest wird mit einer dicht gepackten Schicht aus Grasblättern verschlossen.
In den Nisthilfen im Giern sind verschiedene Entwicklungsstadien erkennbar.

Brutzellen mit verschiedenen Entwicklungsstadien (Ei, oben und Larven, unten)

Brutzelle mit Kokon
Die Entwicklung der Larven verläuft sehr schnell. Anschließend spinnen sich die Larven in einem weißen Kokon ein, in welchem sie überwintern.
Die erwachsenen Tiere fliegen im Spätsommer von Juli bis September und ernähren sich vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen.
Trotz ihrer raschen Ausbreitung gibt es bisher keine Hinweise, dass diese Art negative Auswirkungen auf die heimische Ökosysteme hat.