Einfluss der Forstwirtschaft auf Fledermausaktivitäten in Wäldern

Alle mitteleuropäische Fledermausarten nutzen den Wald. Auf Umweltveränderungen reagieren sie sensibel. Unsere Fledermäuse fressen alles was 6 oder 8 Beine hat. Pro Nacht kann es bis zu 50 % ihres eigenen Körpergewichtes an Insekten und Spinnen betragen. So können sie effizient zur Regulierung der forstwirtschaftlich schädlichen Insekten beitragen. In fledermausfreundlichen Wäldern können Fledermäuse einen wertvollen Beitrag zur Unterstützung der Forstwirtschaft leisten. Da die Reproduktionsrate bei Fledermäusen gering ist, kann der Verlust eines Quartieres bereits erhebliche Auswirkungen auf lokale Fledermauspopulationen haben. Schutzmaßnahmen in Wäldern sind daher entscheidend für den Erhalt unserer Fledermäuse.

Alle in Deutschland vorkommende Fledermausarten sind streng geschützt. Es ist verboten ihre Fortpflanzungs-, Überwinterungs- und Ruhestätten zu beeinträchtigt oder zu zerstören. Geregelt ist dies über die Naturschutzgesetze des Bundes und der Länder und die europäische FFH-Richtlinie.

Fledermäuse können in drei unterschiedlich ortende Gruppen eingeteilt werden. Sie ergeben sich aus den Unter­schieden im Körperbau und der Echo­ortung, die ihr jeweiliges Flug­verhalten bestimmen:

  • Die Gruppe der dicht an der Vegetation jagende Fledermäuse (narrow space): Flügelschlag detektierend:  Hufeisennasen; passiv jagend: Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr und Langohren. Sie zeichnen sich aus durch einen wendigen Flug nahe der Vegetation. Sie können auch in dichten Wäldern jagen.
  • Die Gruppe der an Strukturen (Waldränder und -wege) jagenden Fledermäuse (edge space): Luftsammler: Nymphen-, Bart- und Fransenfledermäuse, Mopsfledermäuse, alle Zwergfledermausarten, Breitflügelfledermaus; abfischend: Wasserfledermaus. Sie fliegen in der Regel in halboffenen Waldlebensräumen und über Gewässern.
  • Die Gruppe der im freien Luftraum jagenden Fledermäuse (open space): Abendsegler, Nordfledermaus und Zweifarbfledermäuse. Sie nutzen im schnellen Flug den freien Luftraum. U.a. über dem Kronendach der Wälder.

Zusammenhang zwischen Fledermäusen, Insekten und Waldstrukturen

Jeder forstliche Eingriff verändert den Wald. Die Maßnahmen wirken sich direkt auf das Nahrungs- und Quartierangebot der Fledermäuse aus. Neue lichte Räume in Wäldern fördert die Jagdmöglichkeiten und das Insektenangebot. Haben aber negativ Einflüsse auf das Quartierangebot. Alte und tote Bäume sind in den Wäldern zu belassen. Sie fördern und sichern die notwendigen potentiellen Quartiere.

Die Waldbewirtschaftung hat nicht nur Einfluss auf die Baumarten und die Struktur, sondern beeinflusst auch die ökologischen Wechsel­wirkungen. Strukturreichtum fördert das Insekten­vorkommen und wirkt sich indirekt auf das Nahrungs­angebot für Fleder­mäuse aus. Mit der Entnahme von Bäumen verschwinden vor allem Bäumen mit Mikro­habitaten wie Höhlen, Spalten und abstehenden Rinden. Mikro­habitate entwickeln sich erst mit zu­neh­men­dem Alter der Bäume und sind wichtige Quartiere für Fledermäuse. Einerseits fördern Auf­lich­tun­gen die Jagd, anderseits verknappen sie die potentiellen Fleder­maus­quartiere. Vor allem stehendes Totholz sollte in den Wäldern erhalten bleiben, Altholzstrukturen sind zu fördern und Lücken, sowie halboffene Wälder gestaltet werden.

Die naturnahe Waldwirtschaft fördert Dauer­wald­strukturen mit geschlossene Kronen­dächer. Dabei stehen die Bäume dicht beieinander und es gibt oft nur wenige lückige Bereiche. Diese geschlossenen Wälder sind für viele Fleder­maus­arten zu dicht. Das führt dazu, dass die Aktivitäten sich meist entlang von Wald­rändern und Wegen konzentrieren. Bei Aussetzung der Durch­forstung dauert es mitunter über 30 Jahre bis Wälder wieder geeignete offene Strukturen zeigen und die Fleder­maus­aktivitäten steigen. Ähnliches gilt für die zu starke Auslichtung von Waldabteilungen. Hier gehen die Fledermausbestände durch den parkartigen Charakter stark zurück.

Wie die Kronen­struktur mit Nahrungs- und Quartier­ressourcen zusammen­hängt wurde im Schwarzwald untersucht. Kleinräumige Öffnungen im Bestand führt zur Entwicklung der Bodenvegetation. Nachfaltervorkommen werden gefördert und neue Nahrungs­ressourcen für Fleder­mäuse geschaffen. Der Unter­wuchs ist entscheidend für die Nacht­falter­häufig­keit in Dauer­wäldern.

In der Studie konnte gezeigt werden, dass die Aktivität der Nahortenden-Arten in Wäldern mit steigender Baum­dichte abnimmt. Dabei kann sie in Wald­lücken geringer sein als in geschlossenen Wäldern. Der Effekt von Wald­lücken auf Nahortenden-Fleder­mäuse scheint stark von der Größe der Öffnungen abzuhängen. Kleine Lücken bieten den Tieren noch ausreichend Deckung. In den kleinen Lücken im Schwarz­wald hatte nicht die Offenheit selbst, sondern die Boden­vegetation einen negativen Effekt. Sie erhöht zwar das Vorkommen der Nacht­falter, erschwert aber gleichzeitig Großen Mausohren den freien Zugang zum Wald­boden. Sie können Lauf- und Mistkäfer am Boden nicht mehr passiv bejagen.

Fledermäuse reagieren nicht nur auf die Waldstruktur, sondern beeinflussen auch das Nahrungsnetz im Wald. In Nächten mit hoher Aktivität von Mittelortenden-Artennahm die Häufig­keit der Nachtfalter deutlich ab. Die Fleder­mäuse haben die Nacht­falter entweder gefressen oder diese konnten den Fleder­mäusen ausweichen. Viele Nacht­falter­arten können Ultra­schall wahrnehmen und mit abrupten Kurs­wechseln, Abtauchen oder dem Meiden ganzer Bereiche reagieren. Dies könnte zu dynamischen Verschiebungen von Insekten-Ansammlungen führen und damit die weniger konkurrenzfähige Nahordnenden-Arten benachteiligen.

Die Verfügbarkeit von Insekten hängt stark von der Bewirtschaftungsintensität, der Waldstruktur und der Baumartenzusammensetzung ab. Häufig indirekt über den Unterwuchs.  Erstmals dokumentiert werden zudem Reaktionen von Nahortenden-Arten auf Insektenhäufigkeit, jedoch nicht auf die Insekten­vielfalt.

Quartiere sind der limitierende Faktor

Die Jagdlebensräume sind aber nur ein wichtiger Teil des Fleder­maus­habitats. Für viele Fleder­maus­arten sind Baum­höhlen, Spalten und abstehende Rinden­taschen wichtige Lebens­stätten. Auch schon kleinere Höhlen die durch Spechte oder Ast­ab­brüche entstehen, sind nach ein paar Jahren als Fleder­maus­quartier geeignet. In solchen Baum­quartieren ziehen Fleder­mäuse ihren Nach­wuchs auf und finden Verstecke und Winter­quartiere. Solche Quartiers­strukturen nehmen mit zunehmender Bewirt­schaftungs­intensität ab und sind in nadel­holz­reichen Beständen seltener. Positiv wirkt sich der Stamm­durch­messer aus. Wo mächtige Bäume stehen, steigt die Chance geeignete Quartiere zu finden. Ebenso können tote Bäume und Pionier­baum­arten, die auch bei geringeren Durch­messern eine größere Vielzahl an Mikro­habitaten aufweisen, die Quartier­verfügbarkeit erhöhen.

Auf den Untersuchungs­flächen im Schwarz­wald zeigt sich kein Zusammen­hang zwischen der Mikrohabitat­dichte und der Fleder­maus­aktivität. Deshalb sind erstere aber nicht weniger wichtig. Fleder­mäuse sind sehr wählerisch, wechseln häufig ihre Baum­quartiere und brauchen deshalb eine große Auswahl an Baum­quartieren. Alte Bäume, Habitat­baum­gruppen und stehendes Totholz sichern Mikro­habitate, deren Fehlen die ökologische Funktionalität des Waldes für Fleder­mäuse erheblich einschränkt.

Mikrohabitate sind:

  • Verlassene Spechthöhlen
  • Fäulnishöhlen im Stamm und an Ästen
  • Spalthöhlen (z.B. infolge Blitzschlags)
  • Spalten hinter abgelöster Borke

Solche Quartiere werden sowohl von einzelnen Fledermäusen als auch von Gruppen, z.B. zur Jungenaufzucht und zur Überwinterung, genutzt. Meist sind Höhlen und Spalten in alten Baumbeständen besonders häufig. Aber auch junge, dünne Bäume können geeignete Verstecke aufweisen. Waldfledermäuse wechseln oft ihr Quartier. So werden Feinde (z.B. Marder, Eulen) nicht so leicht darauf aufmerksam und der Befall mit Parasiten nimmt ab. Selbst während der Jungenaufzucht ziehen die Weibchen samt Nachwuchs regelmäßig um. Sie benötigen deshalb viele Quartiere.

Einflüsse der fostlichen Maßnahmen

Forderungen an die Waldbewirtschaftung

Mit zunehmender Intensität der Wald­bewirtschaf­tung verschiebt sich das Verhältnis zwischen offenen und geschlos­senen Strukturen. Damit entsteht ein ökologischer Zielkonflikt. Eingriffe, die die Jagd­lebens­räume der Fleder­mäuse verbessern, verringern gleichzeitig das Quartier­angebot. Die Bewirt­schaf­tung kann zu einer räumlichen Entkoppelung von Jagd­habitaten und Quartier­standorten führen. Jagdgebiet und Quartier sind dann nicht mehr auf derselben Fläche. Insbesondere Wald­fleder­mäuse mit kleinen Aktions­radien (z.B. Bechsteinfledermäuse) sind aber auf die räumliche Nähe beider Lebens­raum­komponenten angewiesen. 

Um die Nahrungs- und Quartier­habitate der verschiedenen Fledermaus­arten zu fördern, braucht es eine größere Vielfalt an Strukturen und Sukzessions­phasen in der Wald­landschaft. Durch räumliche und zeitliche Staffelung von Eingriffen kann eine enge Verzahnung zwischen den Jagd- und Quartier­bereichen der Fleder­mäuse erreicht werden. 

Auch Gestaltungs­maßnahmen entlang von Wald­rändern haben großes Potential, die Jagd­habitate für Fleder­mäuse zu verbessern. Die derzeitige Bewirtschaftung der Wälder schafft eher strukturarme Waldareale. Die waldbaulichen Möglichkeiten sollten genutzt werden, um fehlende Lebens­raum­strukturen zu ergänzen.

Alle Fledermäuse sind geschützt und viele stehen auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten. Die Bestände haben in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts stark abgenommen. Gründe für den Rückgang waren der Einsatz von Giften wie DDT und Lindan, sowie der Verlust von Quartieren und Jagdlebensräumen.

In vielen Wäldern mangelt es an Höhlenbäumen. Im Ortsbereich werden hohle Bäume oft aus Sicherheitsgründen entfernt. Fällt man Höhlenbäumen im Winter, werden mitunter überwinternde Fledermäuse unbemerkt getötet.

Wie man unseren Fledermäusen helfen kann:

  • Weg von Monokulturen und Altersklassenwäldern! Die strukturelle Heterogenität Horizontal und Vertikal fördern (Baumartenmischung und Schichtung im Kronenraum). Hin zu standortangepassten, artenreicheren, altersgemischten Beständen und naturnäheren Mischwäldern.
  • Förderung und Erhaltung von Altholzinseln, einzelne Altbäume und geschädigte Bäume (z.B. Blitzschäden). Ideal sind 7 – 10 Höhlenbäume pro ha.
  • Quartierbäume sind gesetzlich geschützt. Bei Verkehrssicherungsmaßnahmen versuchen Quartiere am Baum zu erhalten (Entlastungsschnitt; Stamm über der Höhle „köpfen“ und mit einem witterungsbeständigen Dach versehen). Ist die Fällung unumgängliche sollten nicht von Ende Oktober bis Anfang April (Überwinterung) und von Anfang Juni bis Mitte August (Jungenaufzucht) gefällt werden. Spezialist hinzuziehen.
  • Wer Spechten hilft, hilft Fledermäusen! Tote Bäume stehen lassen! Hier finden Spechte Nahrung. Notfalls einen mehrere Meter hohen Stumpf belassen.
  • Bäume mit potentiellen Fledermausverstecken erhalten! Höhlenbäume markieren, damit sie nicht aus Versehen gefällt werden.
  • Schaffung günstiger Jagdlebensräume durch Förderung von Laubholz, mehrschichtigen Beständen, Sträuchern an Wald- und Wegrändern oder durch Anlage von Gewässern.
  • Nadelwald in Mischwald umbauen. Auch Laubbäume wie Birke und Weide dulden.
  • Fledermauskästen können in höhlenarmen Wäldern den Quartiermangel lindern. Sie sind auf Dauer kein Ersatz für natürliche Quartiere. Fledermauskästen müssen jährlich gewartet werden!

Zum Thema: Waldwissen

Untersuchung im Schwarzwald: Disentangling direct and indirect effects of forest structure on biodiversity: Bottom-up and top-down effects between forestry, bats and their insect prey