10   Maßnahmen für mehr Vielfalt auf kommunalen Flächen

Broschüre vom Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV)

Das Poster für Kommunen und Behörde zeigt die 10 Regeln für dir Pflege kommunaler Flächen für mehr Vielfalt!

Die Regeln lauten:

1. Ohne Mahd keine Wiese – Zwei Schnitte für Blüten und Insekten!

    Was tun?

    Die ideale Mahdhäufigkeit hängt vom Boden ab:

    • bei sehr mageren Böden 1x im Jahr (August/September),
    • bei „normalen“ Böden 2x im Jahr (Ende Juni und September),
    • bei sehr fetten Böden zunächst 3x jährlich, bis sie ausmagern.

    Warum?

    Die Mahdhäufigkeit bestimmt, wie viele und welche Pflanzenarten vorkommen:

    • Ohne Mahd wachsen Gehölze auf.
    • Bei sehr häufiger Mahd überleben nur wenige Tiere und Pflanzenarten.
    • Bei vielen Nährstoffen im Boden setzen sich wenige schnellwachsende Arten durch.
    • Durch den Abtransport des Mahdguts wird eine Fläche mit der Zeit magerer. Mehr Pflanzenarten bekommen eine Chance.
    2. Mahd statt Mulchen
    Was tun?

    Für die biodiversitätsfreundliche Mahd Messerbalken verwenden und das Mahdgut möglichst erst nach 2 Tagen abräumen.

    Warum?

    • Bei Messerbalken werden viel weniger Insekten „geschreddert“ als bei Mulch- oder Kreiselmähwerken.
    • Eine Mulchdecke unterdrückt die meisten blühenden Kräuter, nur Gräser und konkurrenz-starke Arten kommen hier durch.
    • Mulchen düngt, aber die meisten Pflanzenarten gibt es auf mageren Flächen.
    3. Mahdgut 2 Tage liegen lassen!

    Was tun?

    Wenn es die Witterung zulässt, sollte das Mahdgut 1 bis 3 Tage auf der Fläche bleiben – flächig oder geschwadet.

    Warum?

    Tiere können so aus dem Mahdgut fliehen oder in ungemähte Teilflächen wandern. Bei 3 Tagen Liegezeit können auch Samen ausfallen.

    4. Hüpferfreundlich – Schnitthöhe 10 cm!

    Was tun?

    Eine Schnitthöhe von 10 cm ist am insektenfreundlichsten. Ansonsten gilt: so hoch wie möglich, mindestens aber 5 cm.

    Warum?

    Viele Schmetterlinge und Heuschrecken legen ihre Eier am Grund der Pflanzen ab. Bei einer Schnitthöhe von 10 cm überleben viele die Mahd.

    5. Teilmahd – Tiere brauchen Rückzugsräume!

    Was tun?

    Jedes Mal 10 bis 30 % einer Grünfläche ungemäht lassen. Stehengelassene Bereiche dann mähen, wenn auf den anderen Flächen schon wieder etwas blüht – frühestens nach 2 bis 3 Wochen. 10 bis 30 % auch über den Winter stehen lassen.

    Warum?

    Ungemähte Bereiche sind Rückzugsorte und Überwinterungsquartiere für Tiere. Die Blüten bieten Nahrung für Bienen und Schmetterlinge.

    6. Grabenpflege? Tierschonend!

    Was tun?

    Grabenpflege wie Entkrautung oder Räumung

    • abschnittsweise, z. B. nur 1/3 des Grabens,
    • möglichst nicht beide Seiten gleichzeitig,
    • höchstens alle 5 Jahre,möglichst im September oder Oktober,entgegen der Fließrichtung,
    • mit Kleinbagger, Mähkorb oder Spaten – keine Fräse!

    Das Mäh- und Räumgut erst abtropfen lassen und später abtransportieren.

    Warum?

    So werden Tiere wie Fische, Amphibien oder Libellenlarven geschont und haben die Möglichkeit, sich in sichere Bereiche zurückzuziehen.

    7. Vielfalt braucht keinen Dünger!

    Was tun?

    Auf Dünger verzichten.

    Warum?

    Kommunale Grünflächen sind keine Gemüsebeete. Dünger fördert nur einige wenige Arten. Je magerer ein Boden dagegen ist, desto mehr Pflanzenarten kommen auf der Fläche vor. Auf mageren Flächen gibt es auch kleine Lücken, in denen z. B. Wildbienen Nistgänge graben können. Sportrasen sind natürlich eine Ausnahme.

    8. Wildbienen brauchen heimische Pflanzen!

    Was tun?

    Bei der Einsaat oder Pflanzung heimische Pflanzenarten verwenden. Ideal ist die Mahdgutübertragung von artenreichen Flächen in der Nähe. Auch in Beeten machen sich heimische Pflanzen gut.

    Warum?

    Sehr viele unserer Insekten sind auf bestimmte heimische Pflanzen angewiesen.

    9. Heckenpflege – für Goldammer und Zilpzalp!

     Was tun?

    „Auf-den-Stock-setzen“ – in Abschnitten von 15 bis 25 m Länge, – von Oktober bis Februar, – pro Abschnitt alle 10 bis 25 Jahre. Wichtig: Geräte verwenden, die glatte Schnitte hinterlassen. Wertvolle Bäume und Obstgehölze erhalten und Totholz wenn möglich stehen oder liegen lassen. Restliches Schnittgut entfernen oder nur einen kleinen Teil liegen lassen.

    Warum?

    Vögel und andere Tiere finden so immer einen geeigneten Unterschlupf. Die Hecke bleibt langfristig in gutem Zustand. Totholz ist wertvoller Lebensraum für Insekten.

    10. Unter Büschen und Bäumen – Laub für Igel & Co!

    Was tun?

    Unter Büschen und Bäumen sollten im Herbst und Winter Laub und Totholz liegen bleiben und auch einzelne größere Laubhaufen angelegt werden. Am besten ohne Laubsauger!

    Warum?

    Igel verbringen ihren Winterschlaf in Laubhaufen und finden dort Nahrung. Regenwürmer und viele andere Kleintiere ernähren sich von Laub und abgestorbenen Pflanzenteilen. Laubsauger töten Insekten und nehmen Igeln das Winterquartier. Außerdem verschlämmt der freie Boden leicht.