Mausohr ( Myotis myotis )

 

Bild: © D. Nill

Vorkommen des Großen Mausohrs in Seligenstadt und Mainhausen

 

Vorkommen des Großen Mausohrs bei den Kastenkontrollen in Seligenstadt und Mainhausen von 1985 bis 2016

Aussehen und Größe

Größte europäische Fledermausart, 20 bis 40g schwer, mit langer breiter Schnauze und langen breiten Ohren. Die Spannweite der breiten Flügel beträgt 35-43cm. Die Armflughaut setzt an der Zehenwurzel an, der Sporn erreicht etwa die die halbe Schwanzflughautlänge und trägt außen einen schmalen Hautsaum (Epiblema). Regional wandernde Art bis maximal 450 km. Das nachgewiesene Höchstalter liegt bei 25 Jahre. Das Durchschnittsalter innerhalb einer Kolonie liegt zwischen 3 und 5 Jahren. Die Sterberate bei Jungtieren liegt zwischen 5 und 15%. In extrem kalten und nassen Jahren bis zu 90%.

Verbreitung und Lebensraum

Kommt in Europa und im Nahen Osten in Höhenlagen von unter 800 m vor, in wärmebegünstigten Lagen auch höher in Gebieten mit hohem Waldanteil. Bevorzugtes Jagdgebiet sie Hallenwälder mit wenig Vegetation mit freiem Zugang auf bodenlebende Gliedertiere. Sie jagen aber auch auf frisch gemähten, abgeweideten oder abgeernteten Wiesen, Weiden und Äckern. Jagende Tiere verbringen 98% ihrer Zeit in Wäldern. Wochenstuben in Mitteleuropa vor allem in Dachstühlen. Hier hängen die Tiere meist frei im Firstbereich und benutzen oft nur wenige, bestimmte Hangplätze. Die Temperatur kann dort bis auf 45 °C ansteigen. Die Männchen verbringen den Sommer meist Einzeln. Man findet sie oft in Fledermauskästen, die im Herbst auch als Paarungsquartier genutzt werden.

Lokale Vorkommen

Das Große Mausohr kommt im Stadtwald inzwischen flächendeckend vor. Vor 2009 wurde die Art hier so gut wie nie nachgewiesen. Inzwischen ist sie eine der häufigsten Arten. Die Männchen verbringen den Sommer über in den Fledermauskästen und nutzen diese im Herbst als Paarungsquartiere.

Fortpflanzung

Bezug der Wochenstuben Ende März bis Anfang Mai. Die Geburten in Mitteleuropa beginnen manchmal bereits Ende Mai, meist jedoch im Laufe des Junis. Im Zeitraum von 3 bis 5 Wochen werden die Jungen geboren. Erste Ausflüge nach 5 Wochen. Ein hoher Anteil der Weibchen paar sich schon im ersten Herbst. Ab Ende August werden die Wochenstuben aufgelöst. Die Hangplätze werden entsprechend der Parasitendichte und des Mikroklimas regelmäßig gewechselt. Die Wochenstuben bestehen aus 50 bis 1000, selten bis 8000 Tiere. 90% der Weibchen bleiben ihrem Geburtsort treu. Überwinterung in gleichmäßig feuchten und bis 12°C warmen Bereichen von Höhlen und Bergwerken.

Ernährung und Jagd

Vor allem werden große bodenlebende Gliedertiere erbeutet. Laufkäfer, Hundertfüßern, Spinnen und Käferlarven. Saisonal andere Käfer, Maulwurfsgrillen, Kohl- und Wiesenschnaken und Heuschrecken. Meist Bodenjagd in 1 – 2 m Höhe, in raschem, mäßig wendigem Flug.  Der Boden wird nach Raschelgeräusche abgesucht. Wird ein Insekt lokalisiert, stürzt sich die Fledermaus darauf. Dabei wird die Beute mit den Flügeln abgedeckt und mit dem Maul ergriffen.  Maikäfer und andere große Insekten können auch im Flug verfolgt und ergriffen werden. Bei uns jagen Mausohren fast ausschließlich in Laubwäldern. Die Jagdgebiete liegen meist in einem Umkreis von 5 bis 15 km.

Schematische Darstellung des typischen „ground-gleaning“-Verhaltens eines über einer frisch abgemähten Wiese jagenden Großen Mausohrs: a) tiefer und langsamer Suchflug knapp über der Bodenoberfläche, b) kurze Rüttelsequenz über einem potentiellen Beutetier, c) nicht weiter beachtetes Beutetier, d) die Fledermaus verpasst die Gelegenheit, einen vom Boden auffliegenden Käfer zu erbeuten, e) die Fledermaus landet mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Beutetier, e-f) die Fledermaus ergreift das Beutetier, f) die Fledermaus fliegt auf, und das Beutetier wird während eines weit ausholenden Rundfluges mehrere Meter über dem Boden im Flug gefressen (Schema aus ARLETTAZ 1995).

Gefährdung

  • Quartiere
    • Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden und Großbrücken
    • Baumhöhlen, insbesondere auch an forstlich betrachtet „minderwertigen“ Bäumen wie stehendem Totholz, absterbenden Bäumen, Bäumen mit Schadstellen jeglicher Art von Quartieren, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
    • Verschluss der Ein- und Ausflugöffnungen an Quartiergebäuden zur Verhinderung der Einflugmöglichkeiten von Tauben, Dohlen u.a.
    • Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (v.a. an historischen Gebäuden mit Mausohrkolonien) und durch Lichtanlagen auf Dachböden und in Winterquartieren (z.B. Dauerbeleuchtung da Ausschalten vergessen wird, Schaltung über Bewegungsmelder)
    • Vergiftung der Tiere durch Holzschutzmittelbehandlungen in Dachstühlen
    • Beeinträchtigung der Sommer- oder Winterquartiere durch Störungen, wie touristische Führungen in Dachstühlen historischer Gebäude, Dacharbeiten, Reinigungsarbeiten zur Wochenstubenzeit, Höhlentourismus (u.a. mit künstlichem Licht, wie Fackeln, Kerzen, Taschenlampen) und Vandalismus in Stollen und Höhlen im Herbst und Winter
    • Quartierverlust durch den Einfluss von Räubern (insbesondere Steinmarder und Schleiereulen), die durch ihre Anwesenheit eine Meidung der angestammten Quartiere verursachen
  • Lebensraum
    • Zusammenlegung von landwirtschaftlichen Flächen zu größeren Äckern, die zum Verschwinden von Hecken und Säumen, die als Leitelemente dienen, führen und kleinräumig gegliederte, insektenreiche Kulturlandschaften zerstören
    • Umwandlung regelmäßig genutzter Wiesen oder Weiden, die zumindest phasenweise, wenn die Pflanzendecke kurz genug ist, von den Großen Mausohren als Jagdgebiete genutzt werden, in Ackerflächen (Grünlandumbruch)
    • Insektizid-/Herbizid-Einsatz im Wald (Maikäferbekämpfung) oder in der Landwirtschaft, der die Nahrungsgrundlage gefährdet oder zerstört und zur Giftanreicherung im Körper der Tiere führt
    • Anbau/Förderung nicht standortheimischen Baumarten (z.B. Douglasie (Goßner 2004)), die zu einer Verarmung der Artengemeinschaft (z.B. Insekten und Spinnen) führen
    • Starke Auflichtungen von Wäldern, die zur Verkrautung des Waldbodens oder zu sehr starker Naturverjüngung führen, können für das hauptsächlich am Boden jagende Große Mausohr zu Verlusten von Jagdgebieten führen
  • Jagdgebiet
    • Verlust zumindest zeitweise als Jagdgebiet genutzter Wiesen, Weiden und Streuobstwiesen durch Siedlungserweiterungen
    • Verlust von Landschaftsbestandteilen wie Hecken, Waldsäume, Feldgehölze, die als Leitelemente zur Orientierung genutzt werden
  • Winterquartiere
    • zum Beispiel durch Verschluss der Eingänge oder Veränderungen der klimatischen Situation im Quartier
    • Ein zunehmend an Bedeutung gewinnender Sonderfall der Beeinträchtigung von Quartieren ist die Anlage von Radwegen inkl. Beleuchtung in alten, nicht mehr genutzten Eisenbahntunneln. Diese werden auch von Großen Mausohren als Winterquartiere genutzt (Meinig et al. 2009, Skiba 2010).
  • Sonstige
    • Verluste im Straßenverkehr (Kollision) und Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßenbau

 

Weiterführende Info’s:

Hessen Forst Artengutachten 2011

Hessen Forst Artengutachten 2003

Hessen Forst Artensteckbrief 2006