Kleiner Abendsegler ( Nyctalus leisleri )

 

Halb so schwer wie der Grosse Abendsegler, pilzfoermiger Tragus, kurzhaariges Rueckenfell. Ist in ganz Europa ausser im hohen Norden verbreitet. Der kleine Abendsegler ist eine Waldfledermaus. Bezieht im Sommer Quartier in verlassenen Spechthoehlen und Fledermauskaesten. Zieht im Fruehjahr und Herbst in Europa umher und legt dabei in kurzer Zeit bis zu 1000 km zurück. Schneller wendiger Jaeger an Waldraendern, auf Lichtungen, ueber Baumwipfeln und Gewaessern.
Bild: © D. Nill

Vorkommen der Abendsegler in Seligenstadt und Mainhausen

Vorkommen der Abendsegler bei den Kastenkontrollen in Seligenstadt und Mainhausen von 1985 bis 2016

Aussehen und Größe

Mittelgroße dunkelbraune Fledermaus, 13 bis 18g schwer, mit kräftigen abgerundeten Ohren und kräftiger Schnauze. Die langen, schmalen Flüge haben eine Spannweite 26 – 34cm. Der Ohrgrund und die Basis des Ohraußenrandes sind meist deutlich aufgehellt. Das nachgewiesene Höchstalter beträgt 11 Jahre.

Verbreitung und Lebensraum

Typische Waldfledermaus der Laubwälder, seltener auch in Streuobstwiesen und Parkanlagen. Verbreitet von der Küsten bis in die Gebirgsregionen. In Mitteleuropa hauptsächlich in Buchenmischwäldern mit hohem Altholzbestand. Jagdgebiete bevorzugt im Wald und an Waldrändern. Bewohnt Spechthöhlen, Fäulnishöhlen, überwucherte Spalten nach Blitzschlag, Ausfaulungen in Zwieseln oder Astlöcher und Fledermauskästen. Die natürlich entstandene Baumhöhlen werden bevorzugt. Quartiere liegen oft in Buchen und Eichen in allen Höhen bis zur Kronen. In Deutschland vereinzelt Quartiere in Dachräumen von Gebäuden. Winterquartiere ebenfalls in Baumhöhlen und an Gebäuden. Wanderungen bis über 1500km sind belegt.

Lokale Vorkommen

Bisher wurde eine Wochenstube im Bereich des Keltergrabens festgestellt. Sie finden sich gelegentlich im Sommer in den Fledermauskästen.

Fortpflanzung

Die Paarung erfolgt ab Ende Juli bis in den September in Harems mit bis zu zehn Weibchen. Im Juni werden 1-2 Junge geboren. Die Wochenstuben umfassen meist 20-50 Weibchen. Die Männchen können in Baumhöhlen und Kästen kleine Kolonien bis zu 12 Tieren bilden. Im Spätherbst können jagende Tiere auch am Spätnachmittag beobachtet werden. Vergesellschaftung in Quartieren mit Abendsegler, Raubhaut-, Wasser-, Fransen- und Bechsteinfledermaus möglich. Quartierwechsel erfolgen zum Teil täglich und kleinräumig bis in 1,7 km Entfernung. Im Laufe eines Sommers können bis zu 50 Quartiere in bis zu 300 ha großen Gebieten genutzt werden. Es gibt keine festen Jagdgebiete, die Umgebung bis zu 17 km wird durchstreift.

Ernährung und Jagd

Nachtfaltern, Zweiflügler und Köcherfliegen. In der Nähe von Gewässern Zuck-, Fenster-, Stechmücken und Köcherfliegen. Bei Massenauftreten auch Mai und Junikäfer in großer Zahl. Schneller und meist geradliniger Flug dicht über oder auch unter den Baumkronen und entlang von Waldwegen und Schneisen mit bis zu 40 km/h. Jagt auch über größeren Gewässern und um Straßenlampen.

 

Gefährdung

  • Fledermauszug
    • Verluste an Windkraftanlagen durch direkte Kollision mit den Rotorblättern und Schädigung durch starke Druckveränderungen im Einflussbereich der Rotoren (Barotrauma) (Baerwald et al. 2008), starke Gefährdung vor allem auf dem Zug (Dürr 2011)
  • Quartiere
    • Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden, die zu Verlusten von Quartieren und Quartiermöglichkeiten führen
    • Indirekte Vergiftung der Tiere in ihren Quartieren durch Holzschutzmittelbehandlungen an Fassadenverkleidungen, Verschalungen, Dachstühlen etc.
    • Direkte Verfolgung oder Quartierverlust durch Verschluss von Quartieren, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
    • Beeinträchtigung des Quartiers durch Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (häufig z.B. an historischen Gebäude mit Kolonien des Kleinen Abendseglers) und durch Lichtanlagen in Winterquartieren (z.B. Dauerbeleuchtung)
  • Lebensraum
    • Zusammenlegung von landwirtschaftlichen Flächen zu größeren Äckern, die zum Verschwinden von Brachen, Dauergrünland, Stilllegungsflächen, Hecken und Säumen führen und kleinräumig gegliederte, insektenreiche Kultur- und Offenlandschaften zerstören
    • Trockenlegung von Feuchtgebieten und Gewässern in Wäldern und im Offenland
    • Entfernung natürlicher oder naturnaher Wälder (auch Nadelwälder) durch Hiebmaßnahmen und durch Aufforstung mit nicht standortheimischen Baumarten (z.B. Douglasie (Goßner 2004)), die zu einer Verarmung der Artengemeinschaft (z.B. Insekten und Spinnen) führen
    • Verminderung des Angebotes aktueller und zukünftiger Sommer-, Winter-, Kontakt- und Paarungsquartiere durch Fällung aktueller und potenzieller Höhlenbäume
    • Verlust der Nahrungsgrundlage und Vergiftung der Fledermäuse (Anreicherung der Giftstoffe im Körper der Tiere) durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden im
    • Gartenbau und in öffentlichen Parks
  • Jagdgebiete
    • Aufforstung und Verbrachung bestehender, kleinflächig eingestreuter Freiflächen im Wald (z.B. Ruderalflächen und Waldwiesen)
    • Reduzierung des Insektenreichtums und Vergiftung der Fledermäuse durch Anreicherung der Giftstoffe in ihren Körpern durch den Einsatz von Insektiziden zur
    • Bekämpfung von Insektenmassenvermehrung z.B. Maikäfer in der Land- und Forstwirtschaft
    • Verlust insektenreicher Landschaftsbestandteile als Jagdgebiete durch Reduzierung von Hecken, Feldgehölzen und Säumen (Flurbereinigung)
  • Winterschlaf
    • Gefährdung der Winterschlafgesellschaft durch Fällungen und Baumpflegemaßnahmen entlang von Alleen und in städtischen Grünanlagen

 

Weiterführende Info’s:

Hessen Forst Artengutachten 2011

Hessen forst Artengutachten 2003

Hessen forst Artensteckbrief 2006