Waldtage 2022

Die Deutschen Waldtage (DWT) sind eine Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Sie finden 2022 zum vierten Mal statt. Das diesjährige Motto ist „Biologische Vielfalt erleben!“. Forstleute, Waldbesitzende, Vereine und Organisationen laden gemeinsam bundesweit Bürgerinnen und Bürger zu zahlreichen Veranstaltungen in die Wälder ein.

Die hier wiedergegebenen Information stammen vom BMEL. Nur gelegentlich sind die Wiedergaben hier nach unserer Einschätzung angepasst.

Der Wald bedeckt in Deutschland 1/3 der Landesfläche (11,4 Millionen Hektar). Die häufigsten Baumarten sind Nadelbäume Fichte (25%) und Kiefer (23%), gefolgt von den Laubbäumen Rotbuche (16%) und Eiche (10%). Die restlichen 26% des Baumbestandes machen Lärche, Tanne, Hainbuche, Linde, die Pionierbaumarten: Birke, Pappel und Weide, die Ahornarten: Spitz-, Berg- und Feldahorn, sowie Esche, Ulme und Schwarzerle aus.

Der Kronenzustand der lebenden Bäume hat sich 2021 im Durchschnitt gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert. Der Anteil der seit dem Vorjahr abgestorbenen Probebäume hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Eine Entwarnung ist nicht absehbar.

Im Fokus in diesem Jahr steht der Dialog über die biologische Vielfalt im Ökosystem Wald. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang die Sicherung und der Schutz der Biodiversität, sowie der vielfältigen Waldfunktionen.

Der Verlust der biologischen Vielfalt dürfte uns noch viel schwerer treffen als der Klimawandel. Mit dem Verlust einzelner Arten besteht die Gefahr des Zusammenbruchs ganzer Nahrungsketten. Mit dabei immer auch die Spitzen der Nahrungspyramide. Nicht so stark wie unsere chemisch belasteten, überdüngten und artenarme Agrasteppen, sind auch unsere Wälder vom Artensterben betroffen. Aus diesem Grund wurden die Deutschen Waldtage 2022 unter das Motto „Biologische Vielfalt erleben!“ gestellt.

Dabei geht es um die Fokussierung auf drei Aspekte Biologische Vielfalt verstehen, schützen und nutzen. Durch Stürme, extreme Dürre, Monokulturen und die Pflanzung nicht standortgerechter Baumarten wurde die massenhafte Vermehrung der Borkenkäfern begünstigt. Das hat in den Wäldern Deutschlands seit 2018 bis heute zu Störungen und massiven Waldschäden geführt. Etwa eine halbe Million Hektar Wald gingen verloren.

Einher mit den Waldschäden geht der zunehmender Verlust der von der
Gesellschaft benötigten und geforderten Waldökosystemleistungen. Diese Entwicklungen machen sehr deutlich, dass es jetzt vorrangig darauf ankommt, die Wälder langfristig an den Klimawandel anzupassen und die vorhandenen Bestände zu stabilisieren. Vorrangiges Ziel muss daher sein, die waldtypische biologische Vielfalt wiederherzustellen, sie dauerhaft zu erhalten, zu schützen und in Zukunft verantwortungsvoll zu nutzen.

Biologische Vielfalt verstehen

Biologische Vielfalt ist die Schatztruhe der Natur – der Schlüssel
zur Anpassungsfähigkeit der Wälder an sich ändernde Umweltbedingungen und die Grundlage für die Bereitstellung von
Ökosystemleistungen.

Der Begriff Biodiversität bzw. biologische Vielfalt umfasst drei Aspekte: die genetische Vielfalt innerhalb der Arten, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten und die Vielfalt der Ökosysteme als Lebensräume der Organismen. Quelle: Infopaket für regionale Akteure Hintergründe zu den Deutschen Waldtagen und zur biologischen Vielfalt

Die Biologische Vielfalt ist der Schlüssel zur Anpassungsfähigkeit der Wälder an sich ändernde Umweltbedingungen. Sie bildet die Grundlage für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen.

Artenvielfalt in unseren Wäldern:

  • 2.900 Pflanzenarten,davon 76 Baumarten
  • ca. 105 Brutvogelarten sind an den Wald gebunden

Dies wird garantiert durch:

  • Durch eine hohe genetische Variabilität innerhalb einer Art erhöht sich deren Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umweltbedingungen. Ohne genetische Vielfalt kein stabiles Ökosystem Wald.
  • Zahlreiche unterschiedliche Tier-, Pilz-, Flechten- und Pflanzarten leben in unseren Wäldern. Die Artenvielfalt ist Ausdruck der historischen Waldentwicklung und unterliegt dynamischen Prozessen.
  • Eine größere Anzahl an verschiedenen Baumarten und anderen lebenden Organismen in Wäldern erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Wald die Klimakrise übersteht und mit den Folgen des Klimawandels besser zurechtzukommt.
  • Mischwälder sind vorteilhaft für den Waldboden sowie die Grundwasserbildung und bieten in der Regel einer größeren Anzahl von Arten geeignete Lebensräume.
  • Zudem minimieren Waldbestände mit Baumarten unterschiedlicher Eigenschaften und Ansprüchen das wirtschaftliche Risiko für Waldbesitzende.
Biologische Vielfalt der Waldpflanzen und Flechten. Quelle: Infopaket für regionale Akteure Hintergründe zu den Deutschen Waldtagen und zur biologischen Vielfalt

Obwohl Bäume im Wald sehr präsent sind, machen sie nur einen geringen Teil an der gesamten Artenvielfalt der Waldpflanzen aus. Die unscheinbaren Flechten sind im Vergleich deutlich diverser aufgestellt.

Wälder sind vielfältige Ökosysteme mit zahlreichen Lebensräumen. Die Vielfalt resultiert aus unterschiedlichen Standortverhältnissen (Klima, Höhenlage, Gelände, Boden, Wasserversorgung etc.) und deren Artenzusammensetzungen. Sie führen dann zu unterschiedlichen Waldgesellschaften.

Auch das Alter, vertikale Struktur oder die Bewirtschaftungsweise hat großen Einfluss auf die Ausprägung der Lebensraumvielfalt und damit der Vielfältigkeit der Lebensgemeinschaften.

Ergebnisse der Bundeswaldinventur 2012

Baumartendurchmischung der Wälder. Der Trend der letzten Jahre ist eindeutig: Weniger reine Nadelwälder, mehr Mischwald. Quelle: Infopaket für regionale Akteure Hintergründe zu den Deutschen Waldtagen und zur biologischen Vielfalt

Biodiversität und Waldbewirtschaftung

Die Biodiversität in Wäldern profitiert von der Vielfältigkeit angepasster Waldbaukonzepte oder historischer Waldbewirtschaftungsformen (z. B. Nieder– oder Hutewald). Totholzmanagement und Ausweisen von Habitatbäumen, tragen zur Artenvielfalt bei. Stehendes und liegendes Stark-Totholz sowie Habitatbäume mit unterschiedlichen Mikrohabitaten (Höhlen, Spaltenquartiere, Kronentotholz etc.) sind beispielsweise Schlüsselelemente, um Biodiversität im Wald mit zu fördern.

Zustand im Moment:

93 Mio. Bäume mit ökologisch bedeutsamen Merkmalen, davon
• 22 Mio. Specht- oder Höhlenbäume
• 741.000 Horstbäume
• 1 Mio. markierter Biotopbäume
224 Mio. m³ Totholz, durchschnittlich 20,6 m³ Totholz pro Hektar.

Bedenkt man, dass Spechhöhlen erst vielen Jahre nach ihrer Entstehung für Fledermäuse interessant werden (wenn sie nach oben ausfaulen), ist der Schutz dieser Bäume auch in der Zerfallsphase wichtig (vertikales Todholz)!

Wie viele Habitatbäume ausweisen?

Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL geht von mindestens 5 bis 10 Habitatbäume pro Hektar aus. Rechnet man dies auf den deutschen Wald um mit 10,8 Millionen ha, ergäbe sich ein Bedarf von 54 bis 108 Millionen Habitatbäumen.

In ihrem Beitrag „Ökologische Infrastruktur mit drei Komponenten“ hat die WSL dargelegt wie Vernetzung im Wald aussehen müsste:

Die Grundlage lieferen Naturwaldreservate, die durch Altholzinseln und Habistatbäume miteinander in Verbindung stehen.

„Altholzinseln und Habitatbäume verbessern die funktionelle Vernetzung zwischen Naturwaldreservaten für die Ausbreitung von stark gefährdeten Arten mit fragmentierten Lokalvorkommen. Anzustreben sind Waldbestände mit hohen Totholzmengen und vielen Habitatbäumen, eingebettet in nachhaltig genutzte Wälder.“

Fausregel für stark gefährdeten Arten mit fragmentierten Lokalvorkommen: pro Quadratkilometer Wald zusätzlich zu den Naturwaldreservaten ungefähr 2 bis 3 Altholzinseln mit einer Minimalfläche von einem Hektar, sowie 5 bis 10 Habitatbäume.

Habitatbäume könnten als Einzelbäume regelmässig verteilt sein oder – vorzugsweise – in Gruppen stehen. Letzteres stellt bei forstlichen Arbeiten eine geringere Gefahr dar.

Quelle: WSL Ökologische Infrastruktur mit drei Komponenten:
https://totholz.wsl.ch/de/habitatbaeume/vernetzung.html

Biologische Vielfalt schützen


Natur- und Artenschutz im Wald erfolgt nicht nur in speziellen Waldschutzgebieten. Integrative Konzepte sehen eine Verbindung von Bewirtschaftung und Schutz der Wälder mit unterschiedlichen Intensitäten vor.

Schutz durch Waldschutzgebiete

  • Natura 2000 ist ein EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie. Natura 2000 ist das größte grenzüberschreitende, koordinierte Schutzgebietsnetz weltweit.
  • In Nationalparks ist eine Bewirtschaftung weitgehend ausgeschlossen. Soweit der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt es zulässt, sind Nationalparks der wissenschaftlichen Beobachtung, der Bildung und dem Naturerlebnis für Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Eine forstwirtschaftliche Nutzung ist hier weitgehend ausgeschlossen bzw. nur unter strikten Vorgaben der Naturschutzbehörden möglich.
  • Naturschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen erforderlich ist. Sie gehören neben den Nationalparks zu den sehr streng geschützten Flächen.
  • Naturwaldreservate sind Wälder, die sich noch in einem weitgehend naturnahen Zustand befinden und der natürlichen Waldentwicklung überlassen sind. Urwaldähnliche Wälder entstehen mit starken Bäumen und viel Totholz.
  • Zusätzlich zu den ausgewiesenen Schutzgebieten werden bestimmte Biotope wegen ihrer Bedeutung für die Natur durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. In diesen besonders geschützten Waldbiotopen ist eine Bewirtschaftung meist zulässig, um gewisse Erhaltungsziele bzw. Schutzgüter zu fördern, kann jedoch im Einzelfall eingeschränkt sein.

NATURA 2000 in Deutschland:

  • Über 4.500 FFH & 740 Vogelschutzgebiete
  • 15,8 % der Landesfläche NATURA 2000

in der EU:

  • ca. 27.000 Schutzgebiete
  • 18 % der Landesfläche
  • etwa 50 % der Fläche sind Wälder

Besonders geschützte Waldbiotope

Handlungen, die zu einer Zerstörung oder erheblichen Beeinträchtigung führen können, sind hier nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz verboten. Quelle: Infopaket für regionale Akteure Hintergründe zu den Deutschen Waldtagen und zur biologischen Vielfalt

Schutz durch Waldbaukonzepte

Der Schutz der biologischen Vielfalt ist fester Bestandteil der Waldbaukonzepte vieler Forstbetriebe. Insbesondere die forstlichen Landesbetriebe haben diesen Grundsatz in ihren Leitmotiven verschriftlich: Beispiele sind das „LÖWE“-Programm der Niedersächsischen Landesforsten oder das Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten. Das Ziel dieser Naturschutz- und Waldbaukonzepte ist eine Synthese von nachhaltiger Waldbewirtschaftung und der Erhalt sowie die Förderung von Biodiversität.

Auch wenn unsere Wälder überwiegend genutzt werden, erfüllen sie Natur- und Artenschutzfunktionen. So bestätigt der Indikatorenbericht der Bundesregierung zur „Nachhaltige Entwicklung in Deutschland“ (Stand 2021), dem Landschaftsraum Wald und der Forstwirtschaft mit 87,5 Prozent bei der Artenvielfalt und Landschaftsqualität den besten Wert aller Flächennutzungen.

Der Wald hält sein Niveau in etwa seit 2010. Agrarland und Küsten/Meer sind die Sorgenkinder des Naturschutzes.

Schutz durch Förderprogramme und Zertifizierung

  • Vertragsnaturschutzprogramme: freiwillige Leistungen, die Eigentümerinnen und Eigentümer für den Natur- und Artenschutz in den Wäldern erbringen, Ziel dieser Förderung ist es, die Vielfalt an Arten und Lebensräumen in den Wäldern zu erhalten und zu entwickeln. Im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) werden mit Bundesmitteln Maßnahmen u. a. zum Vertragsnaturschutz im Wald gefördert.
  • Förderrichtlinie Waldklimafonds der Bundesregierung: Umsetzung von Maßnahmen von besonderem Bundesinteresse seit 2013. Maßnahmen die der Anpassung der Wälder an den Klimawandel dienen und ihrer Entwicklung zu naturnahen, strukturund artenreichen Wäldern.
  • Zertifizierung der Waldbewirtschaftung: ein Instrument, ´dass den Schutz der biologischen Vielfalt in den Wäldern stärken soll und eine gleichermaßen ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Waldbewirtschaftung durch entsprechende Bewirtschaftungsmaßnahmen sicherzustellt.
  • Die Sicherung der Biodiversität ist Gegenstand verschiedener internationaler Abkommen und nationaler Beschlüsse wie der „Convention on Biological Diversity (CBD)“, der EU-Biodiversitätsstrategie und der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS).
78 Prozent der Waldfläche in Deutschland sind nach PEFC-Standards zertifiziert. Ziel der Zertifizierungssysteme ist es, die nachhaltige Waldbewirtschaftung im Hinblick auf ökonomische, ökologische und soziale Standards zu dokumentieren und zu verbessern.

Biologische Vielfalt nutzen

Die biologische Vielfalt dient als natürlicher Mechanismus von Ökosystemen und Lebewesen, um sich an ändernde Umweltbedingungen anzupassen. So werden gezielt stabile, artenreiche und genetisch vielfältige Mischwälder etabliert und gefördert, die neben positiven ökologischen Effekten auch gut für die Wirtschaft sind: Das Risiko von Ernteausfällen ganzer Bestände wird durch die Diversität reduziert.

Durch Kalamitäten wie Stürme, Käferbefall oder Waldbrände sind in den letzten Jahren viele Wälder massiv geschädigt worden. Um diese Flächen wieder aufzuforsten, setzen Forstleute zusätzlich auch auf Naturverjüngung.

Die Ökosystemleistungen des Waldes sind vielfältig und essenziell für das Leben, wie wir es kennen. Daher stellt der Bund in den nächsten Jahren 900 Millionen Euro gezielt für die Honorierung von Waldökosystemleistungen bereit. Quelle: Infopaket für regionale Akteure Hintergründe zu den Deutschen Waldtagen und zur biologischen Vielfalt

Bedeutung der Wälder für Fledermäuse

Etwa zweidrittel unserer Fledermausarten sind eng an den Wald gebunden. Viele weitere Arten nutzen den Wald zur Jagd. Hierbei nutzen Fledermäuse unterschiedliche Lebbensräume als Quartier- und Jagdgebiete. Sie besiedeln Bäume oder Gebäude und jagen im Wald, im Offenland oder in den Siedlungen. Die Nutzung des Waldes ist bei den meisten Arten vermutlich höher als derzeit bekannt.

Die Arten der Roten Liste Hessens von 1996 und deren Nutzung des Waldes

Arten der letzten „Rote Liste der Säugetiere, Reptilien und Amphibien Hessens“ vom September 1996

Seit 1996 kamen drei neue Arten hinzu:

  • Mückenfledermaus: genetisch von der Zwergfledermaus abgetrennt. Sie ruft 10 kHz höher und ist nur schwer von der Zwergledermaus zu unterscheiden. Sie nutzt im Herbst als Quartier und sonst zur Nahrungssuche den Wald.
  • Nymphenfledermaus: sehr ähneliche Art zu den beiden Bartfledermausarten. Kleinste Myotisart. Wochenstube 2021 im Bereich der Raststelle an der A3. Sie ist eine reine Waldfledermausart.
  • Weißrandfledermaus: wandert seit ein paar jahren aus dem Süden bei uns ein. Nachweise gibt es z.B. aus Aschaffenburg.

Fledermäuse nutzen alle Arten von Strukuren an alten Bäumen als Quartiere. Als Tagesversteck bieten sie Schutz vor Witterungseinflüssen und Räubern, sie gewährleisten ein stabiles Mikroklima und liefern den notwendigen Raum für soziale Interaktion (z.B. Paarungsquartiere), die Bildung von Kolonien und die Aufzucht der Jungen. Da Fledermäuse häufig die Quartiere wechsel, auch mit Jungen, benötigen sie eine ausreichende Anzahl an Quartieren, Dies dient auch der Feind- und Parasitenvermeidung.

Einige Waldstrukturen zeichnen sich durch einen besonders hohen Insektenreichtum aus. Hier leben Fledermäuse und gehen auf die Jagd:

  • Bestandslücken im geschlossenen Wald: Entstehung durch abgestorbene Bäume, kleinflächige Schadereignisse oder Holznutzungen. Sie weisen ein wärmeres, insektenfreundlicheres Mikroklima auf und sind deshalb attraktive Jagdgebiete für viele Fledermausarten.
  • Forstwege: Fledermäuse nutzen diese als Verbindungsschneisen zu ihren Jagdgebieten oder zur Jagd selbst. Entsprechend gestaltet können Wegränder deshalb insektenreiche Nahrungshabitate sein.
  • Abstehende Rinde: Der enge Raum mit Bauch- und Rückenkontakt ist ein typisches Quartier der Mopsfledermaus. Sie bekommen dort ihre Jungen und ziehen sie dort auf.
  • Zwieselbildungen: Meist in Astgabeln entstehen Spaltenquartiere durch Fäulnis. Manchmal auch großräumige Höhlen. Kleinabendsegler nutzen diese gern als Quartier.
  • Baumhöhlen: oft von Spechten gezimmert, Faulhöhlen oder auch Astlöcher sind beliebte Quartiere der Bechsteinfledermaus, der Wasserfledermaus und dem Großen Abendsegler. Hier stehen die Fledermäuse in Konkurrenz mit Vögeln, Bilchen, Mäusen und Insekten. Deshalb ist eine ausreichend hohe Höhlenanzahl von großer Bedeutung.
  • Stammrisse: Spalten durch Blitzrinnen, Frostrisse, Windbruch oder Fällschäden nutzen Mops- und Brandtfledermäuse.
  • Waldränder: Die gestuften und lockere Übergänge zwischen Wald und Offenland mit blütenreichen Waldrandgehölzen und Stauden fördern den Insektenreichtum und somit wichtige Jagdgebiete.
  • Gewässer: Tümpel und Waldbäche erhöhen das Insektenangebot und sind deshalb ebenfalls beliebte Jagdgebiete. Fledermäuse nutzen sie zum Trinken.

Für Fledermäuse mit Quartieren aus dem Siedlungsbereich sind lineare Strukturen zwischen Siedlungsraum und Wald wichtig. Dies können Hecken, Feldgehölze, Alleen oder Fließgewässer sein. Hinter einer Hecke können sie energiesparender im Windschatten fliegen, finden mehr Nahrung und sind geschützt vor Feinden. Auch viele anderen Tierarten nutzen diese Strukturen.

Zum Schutz unserer Fledermäuse im Wald sollte die Erhaltung und der Schutz von Quartieren, sowie dessen Eignung als Lebensraum höchste Priorität haben.

Mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen können sehr attraktive Fledermauslebensräume geschaffen werden und erhalten bleiben:

  • Förderung und Erhaltung von Bäumen mit Höhlen- und Spaltenquartiere in älteren Beständen.
  • Aufbau eines Nachfolgerverbundes aus Biotopbaumanwärtern in jüngeren Bestände.
  • Vor allem stehende abgestorbene Bäume weisen oft zahlreiche Quartierstrukturen auf und sollten belassen bleiben.
  • Bekannte Fledermausquartiere (Sommer- und Winterquartiere) und Biotopbäume sollten gekennzeichnet und gesichert werden.
  • Künstliche Quartiere sind in strukturarmen Waldabteilungen sinnvoll. Sie können die Zeit zum Aufbau eines Höhlenbaumsystems überbrücken und wertvolle Hinweise auf das Vorkommen der verschiedenen Fledermausarten liefern.

Verbesserung der Nahrungsgrundlage:

  • Laubbäume beherbergen mehr Insekten als Nadelbäume. Sie sollten daher gezielt gefördert werden.
  • Schaffung und Erhaltung blütenreichen Waldinnenrändern und strauchreichen Waldaußenrändern. Erhaltung von Waldwiesen.
  • Stehendes und liegendes Totholz erhöht die Insektenvielfalt und das Nahrungsangebot. Es sollte im Wald belassen werden.
  • Wiedervernässung feuchter Standorte oder der Anlage von Feuchtbiotopen schaffen ergiebige Jagdhabitate.
  • Pestiziden und vor allem Insektizide sollten vermieden werden.

Bedeutung der Wälder für Amphibien

Die meisten einheimischen Amphibienarten verbringen den Grossteil ihres Lebens an Land. Nur zur Fortpflanzung suchen sie meist Gewässer auf. Für sie ist der Wald einer der wichtigsten Lebensräume. Trockenperioden und direkte Sonneneinstrahlung mögen sie nicht. Hierdurch verlieren sie die Feuchtigkeit der Haut. Sie sind daher auf feuchte, schattige Lebensräume und Rückzugsmöglichkeiten angewiesen. Der Wald ist dank seinem feuchten Mikroklima daher für Amphibien optimal. Besonders Laubmischwälder sind für sie wichtigste Landlebensräume. Ganz besonders wertvoll sind Au- und Bruchwälder. Sie weisen meist fischfreie Kleingewässer auf. Sieht man von der Erdkröte ab, ist die Abwesenheit von Fischen für die Entwicklung der Larven entscheidend. Fische fressen Laich und Kaulquappen. Reine Nadelholzbestände werden meist von Amphibien gemieden. Die Bodenvegetation ist oft spärlich und die dicke Nadelstreuschicht bietet kaum Lebensraum für Insekten, Spinnen und Schnecken,

Ausgesprochene Waldbewohner sind der Feuersalamander, Kammmolch, Springfrosch und die Gelbbauchunke. Auch Erdkröte, Kreuzkröte, Moorfrosch und Grasfrosch sind oft in Wäldern anzutreffen.

Amphibien sind wechselwarm. sie können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren. Aus diesem Grunde hängen ihre Aktivitäten von der Umgebungstemperatur ab. Das ist der Grund, neben dem Nahrungsmangel im Winter, der sie zu einer Winterruhe zwingt. Frostsichere Überwinterungsplätze finden sie häufig in Wäldern, dwenn sie reich an Kleinstrukturen sind. Hierbei werden Mauslöcher, Maulwurfsgänge, Ast- und Laubhaufen, Steine und Baumstümpfe genutzt. Manche verbringen den Winter am Gewässergund, andere können sich aktiv eingraben. Im Wald dient die isolierende Humusauflage und das geschlossene Kronendach als Kälteschutz.

Im Sommer bleiben Reisighaufen und liegendes Totholz während längerer Trockenperioden feucht. Dort sind sie vor Austrocknung und Fressfeinden geschützt. Feuchtstellen und Bachtälern haben oft größere Amphibienvorkommen.

Früher gab es noch ausgedehnte Feuchtgebiete und eine Fülle von Laichgewässern. Seitdem haben wir viele Gebiete entwässert und in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt. Triebfeder waren die Urbarmachung von Riedwiesen und Mooren und der Schutz vor Überschwemmungen mit Hilfe von Flussverbauungen. Auch in den Wäldern ist die Zahl der Laichgebiete stark zurückgegangen:

  • Feuchtwälder wurden mit Entwässerungsgräben drainiert
  • Geländesenken mit Erdmaterial aufgefüllt
  • Quellfassungen haben Waldbäche versiegen lassen,
  • Flussverbauungen unterbinden die natürliche Gewässerdynamik in Auwäldern

Fehlen geeignete Gewässer über längere Zeit sterben Amphibien aus! Fortpflanzungsgewässer sind heute Mangelware. Mehr als die Hälft aller unsrer einheimischen Amphibien sind inzwischen hochgradig gefährdet. Selbst Allerweltarten wie Erdkröten und Grasfrösche verschwinden aus unserer Landschaft.

Die natürliche Sukzession zum Bestandsendstadium (Hochwald) geht einher mit der Abnahme der Licht- und Wärmeverhältnisse am Boden. Hiervon sind (temporäre) Kleingewässer in feuchten Muldenlagen, Quellnischen, Wagenspuren etc., bzw. die im Rahmen der Biotop-Neuschaffungsmaßnahmen geschaffen wurden erheblich betroffen. Geringere Belichtung bedeutet immer deutlich niedrigere Wassertemperaturen und somit verzögerte Larvenentwicklung. Verschiedene heimische Amphibienarten sind aber gerade an warme Kleingewässer angepasst (z.B. Gelbbauchunke und Springfrosch). Ihr Bestand geht also im Laufe der Sukzession zurück, wenn nicht Tümpel in sonnigerer Lage als Ausweich-Lebensraum zur Verfügung stehen. Auch die Pumpleistung der Vegetation nimmt mit dem Bestandsendstatium zu, hierdurch wird die Ausbildung von Kleingewässern erschwert.

Der Anspruch einzelner Amphibienarten an Tümpel und Teiche sind zum Teil sehr unterschiedliche. Das ist bei der Neuanlage von Laichgewässern zu beachten:

  • Grasfrösche sind wenig anspruchsvoll. Sie laichen in kleinsten Gewässern, in kleinen Tümpeln und Seen, in langsam fliessenden Bächen und in Flachmooren.
  • Kreuzkröte, Laubfrosch und Gelbbauchunke sind sehr wählerisch. Als Pionierarten benötigen sie frisch entstandene Gewässer zur Fortpflanzung.
  • Die Gelbbauchunke laicht nur in spärlich bewachsenen Flach- und Kleinstgewässern. Tümpel in Kiesgruben oder Steinbrüchen können die ursprünglichen Lebensräume der Gelbbauchunke ersetzen.
  • Spurrinnen nach Maschineneinsatz werden von verschiedenen Molcharten und der Kreuzkröte zur Eiablage genutzt.

Während die anspruchslosen Arten mit den Biotopveränderungen der letzten Jahrzehnte noch verhältnismässig gut zurechtkamen, sind die Spezialisten oft stark gefährdet. Bei uns im Ostkreis Offenbach fehlen Feuersalamander und Gelbbauchunke. Ersichtliche Gründe gibt es dafür nicht? Die Wechselkröte wird nur noch sehr selten gesichtet. Sie kommt wahrscheinlich nicht mehr vor?

Eines der artenreichsten Amphibienlebensräume bei uns ist das NSG Thomassee und Rotsohl von Dudenhofen. Dort kommen noch Laubfrosch, Knoblauchkröte, Moorfrosch?, Springfrosch, Kreuzkröte,
Kammolch, Erdkröte, Grasfrosch, Bergmolch, Teichmolch, Kleiner Teichfrosch und Wasserfrosch vor. Durch die Entwässerungsgräben hat dieses Gebiet besonders in diesem Jahr sehr stark gelitten. Viele der Laichgewässer waren früh ausgetrocknet.

Der Moorfrosch ist ein Klimaverlierer. Kam er 1990 auch noch im Seligenstädter Stadtwald vor, so gibt es seitdem keine Nachweise mehr. Das letzte Vorkommen bei Dudenhofen ist am Verschwinden oder bereits erloschen?

Bindung der Amphibien an den Wald aufgrund Zuordnung aller Fundorte zu Landnutzungsformen:

  • 81,1%   Feuersalamander
  • 72,4%   Alpensalamander
  • 64,5%   Fadenmolch
  • 57,8%   Moorfrosch
  • 53,7%   Bergmolch
  • 54,0%   Springfrosch
  • 46,6%   Gelbbauchunke
  • 45,2%   Kammmolch
  • 44,6%   Kleiner Wasserfrosch
  • 44,3%   Geburtshelferkröte (nutzt nur Waldränder)
  • 39,5%   Grasfrosch
  • 34,7%   Erdkröte

Amphibien mit wenig Bindung an den Wald:

  • Knoblauchkröte
  • Laubfrosch
  • Seefrosch
  • Teichfrosch
  • Teichmolch

Wünschenswerte naturnahe Maßnahmen der Forstwirtschaft:

  • Der umbau des Waldes zu laubbaumreichen, naturnäheren und strukturreicheren Wäldern
  • Höhere Totholzvorräte pro ha
  • Erhalt alter historischer Nutzungsformen (z.B. Mittelwald)
  • Besondere Pflege gestufter und strukturreicherer Waldränder
  • Schaffung von Naturwaldreservaten, in denen jegliche forstwirtschaftliche Nutzung unterbleibt

Amphibien können durch folgende Maßnahmen gefördert werden:

  • Anlage von Kleingewässern, Tümpel und Weiher
  • Gräben neben Waldwegen gezielt für Amphibien herrichten (z.B. Ausbildung von Gumpen)
  • Anlage sporadisch austrocknende Gewässer, um die Konkurrenz von Fischen auszuschließen
  • Amphibienverträgliche Zeiten Wählen bei Wegebau und Holzernte und große Pfützen schonen, rechtzeitig Ersatzgewässer anlegen
  • Wassergefüllte Fahrspuren nicht verfüllen
  • Bei Unkenvorkommen Tümpel am Wegesrand im Pionierzustand halten (z.B. befahren im Winterhalbjahr)
  • Feuchte Senken und Pfützen nicht verfüllen
  • Verfüllte Waldgewässer wiederherstellen
  • Waldgewässer großzügig auf der Südseite freistellen
  • Feuchte Waldgebiete nicht mehr entwässern
  • Entwässerungsgräben kleiner Moore und Toteiskessel schließen
  • Gehölze auf entwässerten Feuchtflächen zurücknehmen
  • Biberaktivitäten dulden
  • Entwicklung naturnaher Waldquellbäche durch die Förderung des Totholzanteils für Feuersalamander
  • Liegendes Totholz weiter anreichern
  • Nadelholz an Quellhängen und Bächen zurücknehmen und halbsonnige Standorte mit Laubholz schaffen