Amphibienzaun am Königsee

Seit 2011 betreuen wir einen 500 m langen Amphibienschutzzaun zwischen der Umgehungsstraße Seligenstadt und Zellhausen. Der Zaun schützt die aus dem NSG Zellerbruch kommenden Kröten, die zum Königsee wandern, vor dem Überfahren. Bereits im Herbst wandern die Kröten in den Auwaldrest, damit sie im Frühjahr möglichst schnell am Laichgebiet eintreffen. Da wir beidseitig abfangen, müssen wir die knapp 1.000m Zaun im Frühwinter aufstellen und meist im April wieder abbauen.

Beim Aufbau unterstützt uns seit vielen Jahren Die THW Jugend Seligenstadt und die THW Jugend Bad Homburg. Immer breiteren Raum nimmt das Müllsammeln ein. Auf der kurzen Strecke werden bis zu 5 Abfallsäcke gefüllt. Die Gemeinde Mainhausen entsorgt die Müllsäcke über ihren Bauhof.

Bereits im Januar kann die Krötenwanderung beginnen. Steigen in feuchten Frühjahrsnächten die Nachttemperaturen über 5°C, fällt der Startschuss für eine der beeindruckendsten Massenwanderungen unserer Amphibien. Quasi zur gleichen Zeit tauchen sie aus dem Nichts auf. Der Boden im Wald scheint zu leben. Einzel oder huckepack streben sie dem Königsee entgegen. In dem Gewässer hatten sie selbst das Licht des Lebens erblickten. Alle zur gleichen Zeit scheinen sie sich am Laichgewässer einzufinden. Bereits im Herbst hatten sie sich auf den Weg gemacht. Aus teilweise mehr als 3km Umkreis ziehen sie sich rund um das Laichgewässer zusammen. Den unbilligen Härten des Winters trotzten sie unterirdisch in Mauselöchern, unter Steinen und Totholz. Bei günstiger Witterung können in den ersten zwei Nächten bereits 80 – 90% der Kröten das Laichgewässer erreichen.

Tafel unseres Amphibienlehrpfades

Ihre 5m langen Laichschnüre mit 2.000 bis 6.000 Eiern verankern sie an Pflanzen, toten Ästen und anderen Strukturen am Gewässerboden. Nach der Eiablage, meist Anfang April, beginnt die Rückwanderung in die Sommerlebensräume. Abhängig von der Wassertemperatur schlüpfen die Kaulquappen nach 2 bis 4 Wochen. Im Juni/Juli, nach der Metamorphose, werden die jungen Kröten das Laichgewässer verlassen. Oft als „Froschregen“ wahrgenommen, machen sich abertausende von Kröten auf dem Weg in ihre neuen Lebensräume.

Tafel unseres Amphibienlehrpfades

Erdkröten ernähren sich von Schnecken, Raupen, Regenwürmer, Tausendfüßer, Laufkäfer, Spinnen und nachtaktive Insekten. Sie sind deshalb in Gärten gern gesehene Gäste. Erdkröten sind nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung „Besonders geschützt“. Sie dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden.

Auf der Wanderung stellen Straßen oft ein kaum überwindbares Hindernis da. Die wechselwarmen Tiere sind bei den niedrigen Temperaturen nicht in der Lage, diese Hindernisse zügig zu überqueren. Bereits bei einem Verkehrsaufkommen von 9 Autos pro Stunde werden mehr als 80% der Tiere überfahren. Die Erdkröten Männchen werden nach 3 Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst 1 bis 2 Jahre später. Trotz einer maximalen Lebenserwartung von 10 bis 11 Jahren, wird statistisch jedes Erdkrötenweibchen nur einmal abgelaicht haben.

Die erste Massenwanderung der Erdkröte an der Babenhäuser Straße (L3065) wurde im Jahr 2010 registriert. Seitdem kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen (AgFA), um den Aufbau und die Betreuung des Krötenschutzzaunes.