Pilotprojekt mit der Käthe-Paulus-Schule

Entwurf eines Konzeptes

Konzept „Naturlernort Grundschule“

Unser Bildungsangebot soll sich am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung orientieren. Wir sehen es als unsere gesellschaftliche Aufgabe an, den unersetzlichen Wert unserer Lebensgrundlagen zu erkennen, für jetzige und folgende Generationen zu bewahren und zu entwickeln. Hierdurch wollen wir dazu beizutragen eine lebenswerte Umwelt für unsere Kinder zu erhalten.

Wir möchten Kindern die Möglichkeit geben sich Grundfertigkeiten, Wertehaltungen und Überzeugungen anzueignen, die sie dazu befähigen gerechter, verantwortungsvoller und achtsamer gegenüber ihren Mitgeschöpfen  und ihrer Umwelt zu verhalten. Unser Ziel ist die Stärkung des Selbstwertgefühls des Einzelnen, die Förderung von Phantasie, Kreativität und des sozialen Verhaltens untereinander. Wir möchten durch unsere Arbeit erreichen die Menschen, Tiere und Umwelt wertzuschätzen.

Als Pilotprojekt für unser Bildungsangebot „Lernort Schule“ ist die Käthe-Paulus-Schule in Zellhausen vorgesehen. Sie liegt am nördlichen Ortsrand der Gemeinde zwischen dem NSG Zellerbruch und dem Königsee.

Schulgelände

Lage der Käthe-Paulus-Schule – potentielle Flächen für die naturnahe Gestaltung

Im Süden der Schule, zwischen Bachparzelle und Schulgebäude, befinden sich als Einheitsgrün gepflegte Rasenflächen ohne Funktion. Auf einer größeren Fläche im Osten ist ein Versickerungsteich angelegt, der seit Jahren seine Funktion nicht mehr erfüllen kann. Statt wie im Genehmigungsbescheid vermutlich vorgeschrieben, wird das Regenwasser über die Kanalisation abgeführt, anstatt wie geplant versickern zu dürfen.

Handlungskonzept für das Schulgelände


Neugestaltung des Außengeländes südlich der Schule mit verschiedenen Kleinbiotopen unter Einbeziehung der gesamten Schulgemeinde. Auf dieser Fläche soll ein innovativer schulischer Natur-Lernort aufgebaut werden. Dabei werden die Schulklassen, AGs und andere Interessierte mit in den Aufbau einbezogen. Durch die Beteiligung erhöht sich die Annahme des Ortes, steigert das Verantwortungsgefühl für den Außenraum und erhöht den Schutz gegen Vandalismus. Mitbauaktionen und Bildungsangebote für alle mit dem Hauptschwerpunkt Schulklassen und Schulgemeinde sind der Kern des Aufbauprogramms des schulischen Natur-Lernortes Schule.
Die Schaffung von Kleinstbiotopen bietet die Möglichkeit urbane Biodiversität zu fördern und gleichzeitig zur Schulumfeldaufwertung beizutragen. Die Einbeziehung der Schüler in die Gestaltung und Pflege solcher Flächen kann den Zusammenhalt, die Kreativität und das Verantwortungsgefühl fördern und für die Bedeutung von Natur im städtischen Umfeld sensibilisieren. Die hier betrachteten Vorhaben können als „Good-Practice-Beispiele“ für eine „unkonventionelle“ Gestaltung des Schulumfelds angesehen werden, bei dem sich die Bedürfnisse der Schüler nach Erholung und Naturerleben mit den Anforderungen des Naturschutzes (Förderung urbaner Biodiversität) vereinbaren lassen. Beim Anlegen von Kleinbiotopen sollte darauf geachtet werden, dass dem Biotoptyp angemessene Nutzungen möglich sind. Das heißt, die Biotope sollten im schulnahen Umfeld so konzipiert werden, dass sie einerseits gut zugänglich und erreichbar sind für schulische Lernveranstaltungen, zum anderen aber auch Ruhe finden zur Entwicklung. Im Sinne des Naturschutzes und des Naturerlebens ist bei der gezielten Auswahl der Pflanzen auf Vielfalt zu achten (z. B. Wildsträucherhecken, Wildstaudensäume, Wildblumenwiesen) und die Gestaltung und Bepflanzung der Flächen sollte langfristig pflegeleicht sein. Vorhandene Potenziale zur Beteiligung an Gestaltung und Pflege durch Schüler sollten aktiviert werden. Wichtig sind dafür Informationen zum Projekt, eine gute Organisation mit Terminvorschlägen und gemeinschaftliches Arbeiten mit Kontakten zu anderen Leistungserbringern. Es ist ein enger Kontakt zum gemeindeeigenen Umweltamt, dem Kreis-Schulamt und der Kreis-Naturschutzbehörde geplant.

Umfeld des Schulgeländes

Von Süd nach Nord verläuft die Landesstraße L3065. Diese verläuft quasiparallel zur Landesstraße L2310, die von Stockstadt nach Seligenstadt führt. Die L3065 zerschneidet auf Seligenstädter Stadtgebiet einen Auwald, der auf einer alten Mainschlinge stockt. Mit dem Bau der Umgehungsstraße Seligenstadt wurde der Straßenabschnitt zwischen Schule und Umgehungsstraße verkehrstechnisch überflüssig und könnte ohne wesentliche Einschränkungen für den Verkehr zurück gebaut werden. Dies wäre auch ein Gewinn für die Sicherheit des Schulweges!
Im Westen der Schule liegt das NSG Zellerbruch. Der Wiesenbereich davor wird als Segelfluggelände genutzt. Zwischen dem Segelfluggelände und der Schule ist ein Wiesenbereich, der landwirtschaftlich genutzt wird. Im Süden dieses Wiesenbereiches steht entlang des Helmesbaches eine Hecke. Deren Rand wurde in den vergangen Jahren dreimal nachgepflanzt. Zweimal durch den Naturschutzbund Seligenstadt und Mainhausen e.V., einmal durch den Landwirt, der die Hecke immer wieder schädigt. Aktuell ist die Hecke wieder stark durch den Landwirt beschädigt worden. Im Norden des Wiesenzuges ist eine Feldholzinsel, die auch durch den Naturschutzbund Seligenstadt und Mainhausen e.V. gepflanzt wurde. Diese bedarf einer Pflege, da sie inzwischen am Durchwachsen ist. An der Gemarkungsgrenze zu Seligenstadt beginnt ein Auwaldbereich, der sich östlich bis zum NSG Affelderchen und Retichbruch zieht.
Östlich der Schule liegt der Königsee. Sein Westufer wurde als Gewerbegebiet ausgewiesen. In der Vergangenheit gab es eine Wohnbebauungsplanung, die immer noch versucht wird durchzusetzen. Zum Schaden des Gemeinwohls! Zu wünschen wäre eine Renaturierung des Westufers und eine Aufhebung des bestehenden Bebauungsplanes. Der Bereich sollte als Naherholungsraum für die Bevölkerung genutzt werden.
Entlang der L3065 wird seit 2011 ein 850m langer mobiler Amphibienzaun gestellt. Zur Zeit wandern dort ca. 1300 Erdkröten. Entlang des Fahrradweges zwischen der Schule und Seligenstadt ist ein Amphibienlehrpfad mit 9 A0-Tafeln geplant.

Handlungskonzept für das Umfeld der Schule

Das Umfeld bietet vielfältige Möglichkeiten einzelne Bereiche als zusätzliche Natur-Lernorte zu nutzen. Dies kann von der Umwelt AG oder einer Projektarbeit einzelner Klassen geschehen. Die Hecke bietet sich an für Untersuchung der dortigen Lebensgemeinschaften. Auch kann man den Schaden durch den Landwirt mit neuen Nachpflanzungen kompensieren. Der dortige Nistkastenbestand kann mit in die Untersuchungen einbezogen werden. Für die Feldholzinsel wäre eine partielle Pflege angezeigt, die Erfolgskontrolle könnte mit den Schülern erfasst und dokumentiert werden. Der Wiesenbereich bietet sich an zur Pfleg mit Schafen. Die Anlage von initialen Blühstreifen in der Fläche könnte die Insektenfauna und die botanische Ausstattung der Wiesen sehr bereichern. Mit den Schülern wäre auch hier ein regelmäßiges Monitoring möglich. Im Auwald wollen wir eine neue Probefläche für Fledermäuse einrichten und regelmäßig mit den Schülern betreuen. Im Frühjahr bietet sich die Einbeziehung der Schüler in die Betreuung des Krötenzaunes an.