Exkursion im NSG Erlensteg von Bieber

Zum Gebiet:

Das NSG Erlensteg von Bieber liegt im Südosten der Stadt Offenbach. Das 72,96ha große Gebiet ist seit 1996 Naturschutzgebiet.

Erhalten werden soll eine Landschaft im Naturraum östliche Untermainebene mit wertvollen Feuchtwiesen, Großseggenriedern, seltenen Waldgesellschaften und trockener Standorte. Schutz- und Pflegeziel ist die extensive Grünlandnutzung, die Entwicklung strukturreicher Wälder und der Nutzungsverzicht der naturnahen Erlenbestände. Zur Erhaltung notwendig ist die Stabilisierung des Grundwasserhaushaltes.

Gut drei Viertel des NSG’s ist Wald. Im Nordwesten liegen extensive Wiesen und kleine Felder. Über 370 Arten von Farn- und Blütenpflanzen wurden bisher dort kartiert. Die NSG-Verordnung verbietet den Einsatz von Mineraldünger und Pestiziden. Auf den Äckern östlich des S-Bahngleises nach Dietzenbach findet man wieder zahlreiche Ackerwildkräuter wie Klatschmohn, der Sandmohn (Papaver argemone), Hundskamille, Ackerkrummhals, Ackerstiefmütterchen, Hellerkraut, mehrere Vergissmeinnnichtarten und in manchen Jahren das seltene Kleine Mäuseschwänzchen (Myosurus minimus).

Auf den Wiesen gab es große Bestände des Breitblättrigen Knabenkrautes (Dactylorhiza majalis), in eher unzugänglichen feuchten Bereichen steht die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica).

Vor dem Jahr 2000 war die Bekassine regelmäßiger Brutvogel. Das Braunkehlchen hatte hier sein letztes Brutvorkommen in Stadt und Kreis Offenbach. Das Gebiet ist beschrieben beim HGON Arbeitskreis.

Exkursionsstrecke und Hintergrund:

Am 22. Mai 2020 hatten wir uns vorgenommen mal nach den Orchideenvorkommen zu sehen und dabei in dem geplanten Renaturierungsbereich die Bieber abzulaufen. Wir hatten uns spät dort getroffen, um im Anschluss noch Fledermäuse zu erfassen. Treffpunkt war ein Parkplatz des Kleingartenvereins Lehmfeld.

Die Orchideen waren größtenteils bereits am Abblühen. Die Bestände sind auch, im Gegensatz zur Vergangenheit, stark zurück gegangen. Nun scheint dieses Jahr auch nicht so ganz optimal für einige Orchideen-Arten zu sein? Die lange Frühjahrstrockenheit scheint ihre Spuren zu hinterlassen.

Wir sind die Bieber-Aue zwischen S-Bahngleis Waldende abgelaufen. Das Wasser der Bieber ist, wohl auch durch die Einleitung der Kläranlage Heusenstamm, sehr nährstoffreich. Der Wasserkörper reicht aus auch für größere Weißfische. An einer Stelle fanden wir eine größere Anzahl von Prachtlibellen. Ein Kuckuck rief und ließ sich kurze Zeit später im Flug beobachten. Wohltuend war die Beobachtung, dass alle uns begegnenden Hunde an der Leine geführt wurden. Das würden wir uns für unseren Ostkreis auch wünschen!

Wegen dem trüben Wetter haben wir den Detektor etwas früher eingeschaltet. Es hatte allerdiengs nichts genutzt. Der Fledermausflug begann zur Sollzeit!

Auf dem Rückweg sind wir noch ein Stück durch den Wald. Die vielen Entwässerungsgräben fallen auf. Hier wäre es gut, wenn man die Gräben vor der Bacheinleitung verschließen würde. Das Wasser würde länger gehalten und die Trockenschäden der Waldbäume könnten verringert werden.

Der Sonnenuntergang heut in Bieber war um 21:13 Uhr. Unsere erste Fledermaus detektierten wir um 21:09 Uhr im Wald. Es war eine Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus), die nur kurz zu hören war. Eine Weile später, um 21:13 Uhr, war sie wieder zu hören. Sie flitzte hier den Waldweg entlang.

Die nächste Pause machten wir an der Bieberbrücke. Hier waren eine Menge Fledermäuse zu beobachten. Einige unterflogen die Brücke und tranken das Wasser des Baches. Vor allem waren es Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus), vereinzelt Abendsegler (Nyctalus-Arten) und Breitflügelfledermäuse (Eptesicus serotinus).

Hauptnahrung der Zwergfledermäuse dürften die uns peinigenden Stechmücken gewesen sein? Wir waren den Fledermäusen sehr dankbar! Kurz vor dem Erbeuten der Stechmücke werden die Rufe kürzer und höher. Der Schalldruck lässt nach und die einzelnen Rufe sind nur schwer zu erkennen.

Wir beendeten die Beobachtungen an der Brücke um 21:27 Uhr. Richtung Kleingartenanlage jagden noch einige Zwergfledermäuse die Baumreihen entlang. Um die erste Kleingartenanlage wurde es ziemlich still. Nur 3 Abendseglerkontakte, die die Anlage in größerer Höhe überflogen. Vor der S-Bahnüberquerung im Bereich einiger großer Bäume nochmal zwei Zwergfledermäuse. Nach der S-Bahnüberquerung wurde es immer spärlicher. Um 21:47 Uhr erreichten wir wieder den Parkplatz an der Kleingartenanlage. Dort waren nochmal eine Menge Fledermäuse unterwegs. Dies ist Bedingt durch die breiteren Heckenstrukturen zwischen KGV Anlage und NSG.

Dort fanden wir eine weitere Mückenfledermaus. Nahe an der Vegetation fliegend und die maximale Frequenz vielleicht ein wenig zu hoch?.

Frequenz pro Zeit:

Frequenzen:

In der Zwischenzeit hat es etwas stärker begonnen zu regnen. Insgesamt ein sehr interessanter Abend!

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